DEKRA-geprüfter Bausachverständiger für Nürnberg
Nürnberg & Region 17.03.2026 · Jörg Aichinger
Baugrund für Nürnberg: Keupersandstein und seine Tücken

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Baugrund für Nürnberg besteht überwiegend aus Keupersandstein, einem weichen und porösen Gestein mit wechselnder Tragfähigkeit
  • Keupersandstein kann Wasser aufnehmen und verliert dadurch an Festigkeit, was zu Setzungen an Gebäuden führen kann
  • Die Pegnitz und ihre Zuflüsse beeinflussen den Grundwasserstand und damit die Eigenschaften des Baugrunds
  • Tonige Zwischenschichten im Keuper sind quellfähig und können bei Wasseraufnahme ihr Volumen vergrößern
  • Historische Felsenkeller unter der Altstadt schaffen Hohlräume, die bei Bauvorhaben berücksichtigt werden müssen
  • Ein DEKRA-zertifizierter Sachverständiger erkennt baugrundbedingte Schäden und ordnet Rissbilder richtig ein

Der Baugrund für Nürnberg wird maßgeblich vom Keupersandstein bestimmt, einer geologischen Formation, die den gesamten Großraum prägt. Dieses Gestein sieht auf den ersten Blick solide aus, bringt aber Eigenschaften mit sich, die beim Bauen und Kaufen von Immobilien eine wichtige Rolle spielen. Tragfähigkeit, Wasserführung und Setzungsverhalten hängen vom konkreten Standort ab und können sich innerhalb weniger Meter deutlich unterscheiden. Wer eine Immobilie für Nürnberg bewertet, sollte den Untergrund kennen.

Was ist Keupersandstein und warum ist er als Baugrund besonders?

Keupersandstein ist ein Sedimentgestein aus der Trias-Zeit, das vor etwa 200 bis 230 Millionen Jahren entstand. Es besteht aus Sandkörnern, die durch tonige oder kalkige Bindemittel verkittet sind.

Im Vergleich zu festem Granit oder Gneis ist Keupersandstein ein weiches Gestein. Seine Druckfestigkeit liegt je nach Verwitterungsgrad zwischen 5 und 50 Megapascal. Zum Vergleich: Granit erreicht 100 bis 300 Megapascal. Diese geringe Festigkeit hat Vorteile und Nachteile. Historisch ließ sich der Stein leicht abbauen, weshalb er in Nürnberg als Baumaterial für Kirchen, Stadtmauern und Wohnhäuser verwendet wurde. Als Baugrund bedeutet die Weichheit jedoch, dass er unter Belastung stärker nachgibt als härtere Gesteine.

Die Porosität ist die zweite wichtige Eigenschaft. Keupersandstein kann je nach Varietät 10 bis 25 Prozent seines Volumens an Wasser aufnehmen. Wassergesättigter Sandstein hat eine geringere Tragfähigkeit als trockener. In der Praxis bedeutet das: Schwankende Grundwasserstände verändern die Eigenschaften des Baugrunds unter einem Gebäude.

Welche Setzungsrisiken bestehen bei Gebäuden auf Keupersandstein?

Setzungen entstehen, wenn der Baugrund unter der Last des Gebäudes nachgibt. Beim Keupersandstein sind gleichmäßige Setzungen weniger das Problem als ungleichmäßige Setzungen durch wechselnde Bodenverhältnisse.

Der Keuper in Nürnberg ist kein homogenes Gestein. Sandsteinschichten wechseln sich mit Tonstein- und Mergellagen ab. Diese Wechsellagerung führt dazu, dass die Tragfähigkeit unter einem Gebäude unterschiedlich sein kann. Steht ein Fundament teilweise auf festem Sandstein und teilweise auf weicherem Tonstein, setzt sich das Gebäude ungleichmäßig. Die Folge sind Risse im Mauerwerk, klemmende Fenster und Türen, schiefe Böden.

Besonders kritisch wird es, wenn tonige Schichten bei Wasseraufnahme quellen. Tonminerale wie Montmorillonit können ihr Volumen bei Wasserzutritt um bis zu 15 Prozent vergrößern. Beim Austrocknen schrumpfen sie wieder. Diese zyklische Volumenänderung belastet die Gründung dauerhaft und kann über Jahre hinweg zu fortschreitenden Rissen führen.

An einem Gebäude erkennen Sie setzungsbedingte Schäden an treppenförmigen Rissen in den Lagerfugen des Mauerwerks. Wenn die Risse sich verbreitern, müssen Sie handeln. Ein Sachverständiger für Bauschäden kann die Rissursache bestimmen und feststellen, ob die Setzung abgeschlossen ist oder weiter fortschreitet.

Mehr dazu erfahren Sie auf unserer Seite zur Bauzustandsprüfung.

Wie beeinflusst Wasser den Keupersandstein-Baugrund?

Wasser ist der entscheidende Faktor für das Verhalten des Keupersandsteins als Baugrund. Schwankende Grundwasserstände, Niederschlagswasser und die Pegnitz beeinflussen die Bodenverhältnisse direkt.

Die Pegnitz durchfließt das Nürnberger Stadtgebiet und bestimmt in weiten Bereichen den Grundwasserstand. In Stadtteilen wie Wöhrd, St. Johannis und Maxfeld liegt der Grundwasserspiegel vergleichsweise hoch. Bei Hochwasser steigt er weiter an. Für den Baugrund bedeutet das: Der Sandstein wird stärker durchfeuchtet, seine Tragfähigkeit sinkt temporär, und bei quellfähigen Tonschichten kommt es zu Volumenzunahmen.

Auch abseits der Pegnitz spielt Wasser eine Rolle. Oberflächenwasser, das durch den porösen Sandstein versickert, kann sich auf tonigen Sperrschichten stauen und sogenanntes Schichtwasser bilden. Dieses Schichtwasser tritt dann an Hanglagen oder in Baugruben seitlich aus und kann Kellerwände belasten. Bei der Bewertung eines Gebäudes für Nürnberg prüft ein Sachverständiger deshalb nicht nur die sichtbare Bausubstanz, sondern bezieht die Lage im Gelände und die hydrologischen Verhältnisse in die Beurteilung ein.

Haben Sie Risse am Gebäude oder Feuchtigkeit im Keller? Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Gespräch.

Welche Rolle spielen die Nürnberger Felsenkeller?

Unter der Nürnberger Altstadt und dem Burgberg erstreckt sich ein weitverzweigtes System von Felsenkellern, die über Jahrhunderte in den Keupersandstein geschlagen wurden.

Diese Keller dienten historisch als Bierlager, Eiskeller und Lagerräume. Viele sind heute noch zugänglich, andere wurden verfüllt oder sind in Vergessenheit geraten. Für die Bausubstanz darüber liegender Gebäude sind diese Hohlräume relevant: Sie können die Lastabtragung in den Baugrund beeinflussen und bei Einstürzen zu Setzungen führen.

Auch außerhalb der Altstadt gibt es unterirdische Hohlräume. Sandsteinbrüche, alte Brunnen und verfüllte Keller können bei Bauvorhaben überraschend auftauchen. Bei der Bewertung einer Immobilie in altstadtnahen Lagen sollte die Frage nach unterirdischen Hohlräumen gestellt werden. Historische Kellerkataster und Informationen der Stadt geben erste Hinweise.

Worauf muss bei Neubauvorhaben auf Keupersandstein geachtet werden?

Wer auf Keupersandstein-Baugrund für Nürnberg neu baut, braucht ein Baugrundgutachten. Es liefert die Grundlage für die richtige Gründung und verhindert spätere Schäden.

Ein geotechnischer Bericht (Baugrundgutachten) ermittelt durch Bohrungen und Laboruntersuchungen die tatsächliche Tragfähigkeit, den Grundwasserstand und die Schichtung des Baugrunds. Auf dieser Basis legt der Statiker die Gründung fest. Bei tragfähigem Sandstein reichen oft Streifenfundamente. Bei wechselnden Verhältnissen oder quellfähigen Tonschichten kann eine durchgehende Bodenplatte oder sogar eine Pfahlgründung notwendig werden.

Verzichten Sie nicht auf das Baugrundgutachten, auch wenn Nachbargebäude keine Schäden zeigen. Die Bodenverhältnisse können sich auf kurzer Distanz ändern. Ein Baugrundgutachten ist im Verhältnis zu den Gesamtbaukosten eine geringe Investition, die vor erheblichen Folgeschäden schützt. Bei einer baubegleitenden Qualitätssicherung wird die Gründung im Zuge der Bauausführung geprüft und dokumentiert.

Wie erkennt man baugrundbedingte Schäden an Bestandsgebäuden?

Baugrundbedingte Schäden zeigen sich vor allem durch Risse im Mauerwerk. Die Art und Lage der Risse gibt Hinweise auf die Ursache.

Treppenförmige Risse, die diagonal durch die Lagerfugen verlaufen, deuten auf Setzungen hin. Horizontale Risse können auf seitlichen Erddruck oder quellfähige Böden hinweisen. Risse, die breiter als 2 Millimeter sind oder sich über mehrere Geschosse erstrecken, erfordern eine genauere Untersuchung.

Schiefe Böden, klemmende Fenster und Türen sowie Verformungen an Fassaden sind weitere Anzeichen. Besonders aufschlussreich ist die Beobachtung über Zeit: Markieren Sie Risse mit Datum und Breite. Wächst der Riss weiter, ist die Setzung noch aktiv. Bleibt er konstant, hat sich das Gebäude möglicherweise stabilisiert.

Bei Altbauten für Nürnberg, die auf mittelalterlichen oder gründerzeitlichen Fundamenten stehen, überlagern sich oft mehrere Schadensursachen. Der Keupersandstein-Baugrund, nachträgliche Umbauten und die Mischbauweise der Nachkriegszeit können zusammenwirken. Ein DEKRA-zertifizierter Sachverständiger kann die einzelnen Ursachen voneinander trennen und die richtige Maßnahme empfehlen.

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Häufige Fragen

Brauche ich für jede Immobilienbewertung ein Baugrundgutachten?

Nicht zwingend. Bei Bestandsgebäuden gibt der Zustand des Gebäudes Hinweise auf den Baugrund. Rissfreie Gebäude, die seit Jahrzehnten stehen, zeigen, dass der Baugrund ausreichend tragfähig war. Bei Neubauten und bei Gebäuden mit Rissen ist ein Baugrundgutachten dringend empfehlenswert.

Ist Keupersandstein generell ein schlechter Baugrund?

Nein. Unverwitterter Keupersandstein hat eine ausreichende Tragfähigkeit für die meisten Wohngebäude. Probleme entstehen bei stark verwittertem Sandstein, quellfähigen Tonschichten und schwankenden Grundwasserverhältnissen. Die Verhältnisse sind standortabhängig.

Wie tief muss auf Keupersandstein gegründet werden?

Die Gründungstiefe hängt von der Verwitterungszone ab. Die oberen Schichten sind stärker verwittert und weniger tragfähig. In der Regel wird bis auf den anstehenden, wenig verwitterten Fels gegründet. Die genaue Tiefe ermittelt das Baugrundgutachten.

Können Bäume den Baugrund beeinflussen?

Ja. Große Bäume entziehen dem Boden Wasser, besonders in trockenen Sommern. Dadurch schrumpfen quellfähige Tonschichten, und es kommt zu Setzungen. Umgekehrt kann das Fällen eines großen Baums dazu führen, dass der Boden aufquillt, weil die Wasserentnahme durch die Wurzeln entfällt.

Sind bestimmte Nürnberger Stadtteile stärker betroffen?

In pegnitznahen Lagen (Wöhrd, St. Johannis, Maxfeld) ist der Grundwassereinfluss größer. In Hanglagen (Burgberg, Rechenberg) kann Schichtwasser auftreten. Neubaugebiete in Thon, Ziegelstein und Eibach haben teils heterogenen Baugrund. Eine pauschale Aussage für ganze Stadtteile ist nicht möglich, die Verhältnisse variieren kleinräumig.

Was kostet ein Baugrundgutachten?

Die Kosten richten sich nach Anzahl und Tiefe der Bohrungen sowie dem Umfang der Laboruntersuchungen. Detaillierte Informationen finden Sie auf unserer Kostenseite.

Kann ich Setzungsrisse einfach überputzen?

Nur wenn die Setzung abgeschlossen ist. Wird ein aktiver Riss überputzt, reißt der Putz erneut auf. Bei noch laufender Setzung muss zuerst die Ursache behoben werden, etwa durch Unterfangung des Fundaments oder Beseitigung der Wasserbelastung.

Warum spielt der Baugrund bei jeder Immobilienbewertung eine Rolle?

Der Baugrund bestimmt die Standsicherheit des Gebäudes und beeinflusst Feuchtigkeit, Setzungen und langfristige Instandhaltungskosten. Ein Sachverständiger bezieht den Baugrund immer in die Gesamtbewertung ein, auch wenn keine offensichtlichen Schäden vorliegen.

Sie möchten eine Immobilie für Nürnberg bewerten lassen oder haben Risse am Gebäude? Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. Als DEKRA-zertifizierter Bausachverständiger beurteilen wir Baugrund, Bausubstanz und Schadensbilder aus einer Hand.

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