DEKRA-geprüfter Bausachverständiger für Nürnberg
Schimmel & Feuchtigkeit 17.03.2026 · Jörg Aichinger

Das Wichtigste in Kürze:

  • Nach einem Wasserschaden muss die Trocknung innerhalb von 24 bis 48 Stunden beginnen, um Folgeschäden zu vermeiden
  • Kondensationstrockner eignen sich für beheizte Räume, Adsorptionstrockner für kalte oder besonders feuchte Umgebungen
  • Infrarottrockner trocknen gezielt Wände und Decken von innen nach außen
  • Die Trocknungsdauer beträgt je nach Schadensumfang zwischen 2 und 6 Wochen
  • Die Gebäudeversicherung übernimmt in der Regel die Kosten bei Leitungswasserschäden
  • Ein Sachverständiger dokumentiert den Schaden und kontrolliert den Trocknungsfortschritt

Die Bautrocknung nach einem Wasserschaden entscheidet darüber, ob ein Gebäude ohne Folgeschäden wiederhergestellt werden kann. Stehendes Wasser und durchfeuchtete Bauteile bieten Schimmelpilzen bereits nach wenigen Tagen ideale Wachstumsbedingungen. Gerade bei Gebäuden für Nürnberg in flussnahen Lagen entlang der Pegnitz, wo Hochwasser und schwankendes Grundwasser vorkommen, ist schnelles Handeln nach einem Wasserschaden entscheidend. Doch welches Trocknungsverfahren ist das richtige, wie lange dauert die Trocknung, und wer kommt für die Kosten auf?

Wie läuft eine Bautrocknung nach einem Wasserschaden ab?

Die Bautrocknung folgt einem festen Ablauf: Schadenssicherung, Wasserentfernung, Feuchtemessung, Geräteaufstellung und regelmäßige Kontrolle bis zur Zielfeuchte.

Zunächst wird die Schadensursache abgestellt, sofern möglich. Bei einem Rohrbruch wird die Wasserversorgung gesperrt, bei Hochwasser wird gewartet, bis das Wasser zurückgeht. Stehendes Wasser wird mit Nasssaugern oder Pumpen entfernt. Durchnässte Bodenbeläge, Teppiche und Estrichdämmschichten müssen in der Regel geöffnet oder entfernt werden, damit die darunterliegenden Schichten trocknen können.

Im nächsten Schritt misst ein Fachmann die Feuchte in Wänden, Decken, Estrich und Dämmung. Dafür kommen kapazitive Messgeräte für zerstörungsfreie Oberflächenmessung und CM-Messungen (Calciumcarbid-Methode) für den Estrich zum Einsatz. Die Messwerte bilden die Grundlage für den Trocknungsplan: Welche Geräte werden wo aufgestellt, wie viele werden benötigt, und welche Zielfeuchte muss erreicht werden.

Während der Trocknung werden die Messwerte in regelmäßigen Abständen kontrolliert, in der Regel wöchentlich. Erst wenn alle Bauteile die Gleichgewichtsfeuchte erreicht haben, gilt die Trocknung als abgeschlossen. Ein Abschlussprotokoll dokumentiert die erreichten Werte.

Ausführliche Informationen finden Sie auf unserer Seite zum Thema Wasserschaden.

Welche Unterschiede gibt es zwischen Kondensations-, Adsorptions- und Infrarottrocknern?

Jedes Verfahren hat spezifische Stärken. Die Wahl hängt von Raumtemperatur, Schadensart und den betroffenen Bauteilen ab.

Kondensationstrockner saugen feuchte Raumluft an, kühlen sie ab und lassen die Feuchtigkeit an einem Kühlelement kondensieren. Das Kondenswasser wird in einem Behälter aufgefangen oder über einen Schlauch abgeleitet. Kondensationstrockner arbeiten am effizientesten bei Raumtemperaturen zwischen 15 und 35 Grad Celsius. Sie sind leise, energieeffizient und für die meisten Wohnräume das Standardverfahren. Bei niedrigen Temperaturen unter 10 Grad nimmt ihre Leistung deutlich ab, weil die Kondensation physikalisch weniger effektiv funktioniert.

Adsorptionstrockner leiten die feuchte Luft über ein Trockenmittel (Silikagel oder Lithiumchlorid), das die Feuchtigkeit chemisch bindet. Die aufgenommene Feuchtigkeit wird als warme, feuchte Abluft nach außen geleitet. Adsorptionstrockner funktionieren auch bei sehr niedrigen Temperaturen und extrem hoher Luftfeuchtigkeit. Sie kommen zum Einsatz in unbeheizten Kellern, bei Wasserschäden im Winter und in Räumen, in denen Kondensationstrockner an ihre Grenzen stoßen. Der Energieverbrauch ist höher als bei Kondensationstrocknern.

Infrarottrockner (auch Infrarot-Heizplatten) werden direkt an die betroffene Wand oder Decke gestellt. Sie erwärmen das Bauteil von der Oberfläche her, sodass die Feuchtigkeit von innen nach außen wandert und an der Oberfläche verdunstet. Infrarottrockner eignen sich besonders für die gezielte Trocknung einzelner Wandabschnitte, etwa nach einem lokalisierten Rohrbruch. In Kombination mit einem Luftentfeuchter, der die verdunstete Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnimmt, ergibt sich ein effektives System. Bei großflächigen Schäden ist die Infrarottrocknung allein nicht wirtschaftlich.

Haben Sie einen Wasserschaden und sind unsicher, welche Maßnahmen notwendig sind? Kontaktieren Sie uns für eine unverbindliche Beratung.

Wie lange dauert die Bautrocknung und wann ist der Bau trocken genug?

Die Trocknungsdauer hängt vom Schadensumfang, den betroffenen Materialien und dem eingesetzten Verfahren ab. Übliche Zeiträume liegen zwischen 2 und 6 Wochen.

Ein Rohrbruch, der nur eine Wand durchfeuchtet hat, kann unter günstigen Bedingungen innerhalb von zwei bis drei Wochen getrocknet sein. Ein Hochwasserschaden, bei dem Keller und Erdgeschoss komplett unter Wasser standen, erfordert oft sechs Wochen oder länger. Besonders zeitaufwendig ist die Trocknung von schwimmend verlegtem Estrich mit darunterliegender Dämmschicht. Die Dämmung saugt Wasser auf wie ein Schwamm und gibt es nur langsam wieder ab. Hier kommen häufig Seitenkanalverdichter zum Einsatz, die trockene Luft durch Bohrungen in den Estrich drücken oder feuchte Luft absaugen (Über- oder Unterdruckverfahren).

Die Zielfeuchte richtet sich nach dem Bauteil und dem geplanten Belag. Für Zementestrich unter Fliesen gilt eine maximale Restfeuchte von 2,0 CM-Prozent, unter Parkett oder Laminat von 1,8 CM-Prozent. Anhydritestrich muss auf 0,5 CM-Prozent getrocknet werden (0,3 unter feuchteempfindlichen Belägen wie Parkett oder Laminat). Wände gelten als trocken, wenn sie die materialspezifische Gleichgewichtsfeuchte erreicht haben. Bei Ziegelmauerwerk liegt diese bei etwa 1,5 bis 3 Masseprozent, bei Beton bei etwa 2 bis 4 Masseprozent.

Wichtig: Die Trocknung darf nicht vorzeitig abgebrochen werden. Restfeuchte in Wänden und Estrich führt zu Schimmelbildung unter dem neuen Bodenbelag und zu Schäden am Putz. Eine abschließende Messung durch einen Fachmann bestätigt, dass die Zielwerte erreicht sind.

Welche Besonderheiten gelten bei Gebäuden für Nürnberg?

Die Bausubstanz und die geografische Lage Nürnbergs beeinflussen die Trocknungsstrategie bei Wasserschäden.

In den Gründerzeitquartieren St. Johannis, Maxfeld und Gostenhof bestehen die Wände häufig aus Sandstein oder Mischmauerwerk. Sandstein nimmt deutlich mehr Wasser auf als modernes Ziegelmauerwerk und gibt es langsamer ab. Die Trocknungszeiten sind entsprechend länger. Holzbalkendecken, die in Gründerzeitbauten typisch sind, erfordern besondere Aufmerksamkeit: Durchfeuchtetes Holz kann bei anhaltender Feuchte von Holzschädlingen befallen werden oder zu faulen beginnen.

In den flussnahen Lagen entlang der Pegnitz, etwa in Wöhrd und St. Johannis, besteht ein erhöhtes Hochwasserrisiko. Nach einem Hochwasserereignis sind die Keller häufig kontaminiert, weil das Wasser Schlamm, Öl und Schadstoffe mit sich führt. Hier muss vor der eigentlichen Trocknung eine gründliche Reinigung und Desinfektion erfolgen. Bei Nachkriegsbauten in Langwasser oder Schweinau sind einfache Bauweisen ohne funktionierende Abdichtung verbreitet, was die Anfälligkeit für Wasserschäden erhöht.

Wer trägt die Kosten der Bautrocknung?

Bei Leitungswasserschäden übernimmt in der Regel die Gebäudeversicherung die Trocknungskosten. Bei Hochwasser greift die Elementarschadenversicherung, sofern abgeschlossen.

Die Wohngebäudeversicherung deckt üblicherweise Schäden durch bestimmungswidrig ausgetretenes Leitungswasser ab. Das umfasst den Rohrbruch, die Leckortung, die Trocknung und die Wiederherstellung. Melden Sie den Schaden sofort Ihrer Versicherung und dokumentieren Sie alles mit Fotos. Ein unabhängiger Sachverständiger kann den Schaden objektiv dokumentieren und ein Gutachten erstellen, das gegenüber der Versicherung als Nachweis dient.

Hochwasserschäden sind nur versichert, wenn eine Elementarschadenversicherung besteht. Diese ist in Deutschland keine Standarddeckung und muss zusätzlich abgeschlossen werden. Ohne diese Versicherung bleibt der Eigentümer auf den Kosten sitzen.

Bei Mietwohnungen ist die Zuständigkeit klar geregelt: Der Vermieter trägt die Kosten der Gebäudetrocknung und Instandsetzung. Schäden am Hausrat des Mieters fallen unter dessen Hausratversicherung. Wichtig: Führen Sie keine eigenmächtigen Maßnahmen durch, ohne die Versicherung informiert zu haben, da dies die Leistungspflicht gefährden kann.

Welche Fehler sollten bei der Bautrocknung vermieden werden?

Die häufigsten Fehler sind zu spätes Handeln, falsches Lüften, vorzeitiger Abbruch der Trocknung und fehlende Kontrolle.

Fenster und Türen dauerhaft zu öffnen ist kein Ersatz für professionelle Trocknung. Im Winter gelangt kalte Luft in den Raum, die wenig Feuchtigkeit aufnehmen kann. Im Sommer bringt warme Außenluft zusätzliche Feuchtigkeit ins Gebäude. Stoßlüften in Kombination mit Trocknungsgeräten ist sinnvoller als Dauerlüften.

Ein weiterer Fehler ist die Trocknung ohne vorherige Ursachenbeseitigung. Solange ein defektes Rohr weiter Wasser verliert oder eine mangelhafte Abdichtung Wasser eindringen lässt, ist jede Trocknung wirkungslos. Ebenso problematisch: den alten Bodenbelag liegen lassen. Durchnässter Teppich, Laminat oder Vinyl verhindert die Trocknung des darunterliegenden Estrichs und wird selbst zur Schimmelquelle.

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Häufige Fragen

Wie schnell muss nach einem Wasserschaden getrocknet werden?

Innerhalb von 24 bis 48 Stunden sollte mit der Trocknung begonnen werden. Schimmelpilze können bei günstigen Bedingungen bereits nach 48 bis 72 Stunden zu wachsen beginnen.

Kann ich mit einem Bautrockner aus dem Baumarkt selbst trocknen?

Kleine Feuchtigkeitsprobleme lassen sich mit einem Leihgerät behandeln. Bei einem echten Wasserschaden mit durchnässtem Estrich oder Wänden reicht ein einzelnes Gerät nicht aus. Hier brauchen Sie eine professionelle Trocknungsplanung mit mehreren Geräten und regelmäßiger Kontrolle.

Muss ich während der Trocknung ausziehen?

In vielen Fällen können Sie in der Wohnung bleiben. Die Geräte verursachen allerdings Lärm (40 bis 55 Dezibel) und Wärme. Bei großflächigen Schäden mit vielen Trocknungsgeräten kann ein vorübergehender Auszug sinnvoll sein. Die Versicherung übernimmt dann häufig Hotelkosten.

Wie hoch ist der Stromverbrauch der Trocknungsgeräte?

Ein Kondensationstrockner verbraucht etwa 0,5 bis 1,5 kWh, ein Adsorptionstrockner etwa 1,5 bis 3 kWh pro Stunde. Bei einer Trocknungsdauer von vier Wochen und mehreren Geräten kommen relevante Stromkosten zusammen. Diese werden bei versicherten Schäden von der Versicherung erstattet.

Wann darf der neue Bodenbelag verlegt werden?

Erst wenn die CM-Messung die materialspezifischen Grenzwerte bestätigt. Bei Zementestrich unter Fliesen sind das 2,0 CM-Prozent, unter Parkett oder Laminat 1,8 CM-Prozent. Wird der Belag zu früh verlegt, drohen Schimmel unter dem Belag und Ablösungen.

Wie erkenne ich, ob nach der Trocknung Schimmel entstanden ist?

Muffiger Geruch, dunkle Verfärbungen an Wänden und ein erhöhter Feuchtegehalt in der Raumluft sind typische Hinweise. Auch unter dem neuen Estrich oder hinter Verkleidungen kann Schimmel versteckt wachsen. Im Zweifelsfall sollte ein Sachverständiger eine Probenahme durchführen.

Übernimmt die Versicherung auch die Kosten für ein Gutachten?

Die Versicherung beauftragt in der Regel einen eigenen Gutachter. Sie haben als Versicherungsnehmer das Recht, einen unabhängigen Sachverständigen hinzuzuziehen. Ob die Versicherung dessen Kosten übernimmt, hängt vom Einzelfall und den Versicherungsbedingungen ab.

Was passiert, wenn die Trocknung nicht fachgerecht durchgeführt wird?

Restfeuchte führt zu Schimmelbildung, Putzschäden und der Zerstörung neuer Bodenbeläge. Im schlimmsten Fall muss die gesamte Sanierung wiederholt werden. Lassen Sie den Trocknungserfolg immer durch eine abschließende Messung bestätigen.

Sie haben einen Wasserschaden an einer Immobilie für Nürnberg? Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. Als DEKRA-zertifizierter Bausachverständiger dokumentieren wir den Schaden, begleiten die Trocknung und prüfen den Trocknungserfolg.

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