DEKRA-geprüfter Bausachverständiger für Nürnberg
Sanierung & Modernisierung 17.03.2026 · Jörg Aichinger

Das Wichtigste in Kürze:

  • Elektroanlagen in Altbauten vor 1970 entsprechen fast nie den heutigen Sicherheitsstandards und sind häufig die Ursache für Wohnungsbrände.
  • Das veraltete TN-C-System (klassische Nullung) bietet keinen Schutz gegen Körperstrom und muss bei Sanierungen auf das TN-S-System umgestellt werden.
  • Aluminiumleitungen, die bis in die 1970er Jahre verbaut wurden, sind spröde, haben lockere Klemmstellen und erhöhen die Brandgefahr erheblich.
  • Ein Fehlerstromschutzschalter (FI-Schutz) ist in Bestandsgebäuden bei jeder wesentlichen Änderung der Elektroanlage nachzurüsten.
  • Bei Hauskauf oder Sanierung sollte ein Sachverständiger die Elektroanlage beurteilen, bevor kostspielige Arbeiten beginnen.

Wer einen Altbau für Nürnberg kauft oder saniert, muss sich früher oder später mit der Elektrik befassen. Alte Elektroanlagen sind nicht nur ein Komfortproblem, weil Steckdosen fehlen oder Sicherungen herausfliegen. Sie sind ein ernstes Sicherheitsrisiko. Veraltete Nullungssysteme, brüchige Aluminiumleitungen und fehlender Fehlerstromschutz verursachen jedes Jahr Brände und Stromunfälle. Dieser Artikel erklärt, welche Gefahren in alter Elektrik stecken, wann eine Erneuerung gesetzlich vorgeschrieben ist und worauf Sie bei der Beurteilung achten sollten.

Warum ist die alte Elektrik im Altbau gefährlich?

Die Elektroinstallation in einem Altbau wurde für eine andere Zeit ausgelegt. In den 1950er und 1960er Jahren rechnete man pro Wohnung mit einem Stromverbrauch, der heute von einer einzelnen Küche überschritten wird. Die Leitungsquerschnitte waren dünner, die Absicherung schwächer und Schutzmaßnahmen wie Fehlerstromschutzschalter gab es noch nicht.

Drei Hauptprobleme machen alte Elektroanlagen gefährlich:

  • Überlastung: Dünne Leitungen werden durch moderne Verbraucher wie Induktionsherde, Waschmaschinen und Durchlauferhitzer überlastet. Die Isolation erwärmt sich, altert schneller und kann im schlimmsten Fall schmelzen.
  • Veralteter Personenschutz: Ohne FI-Schutzschalter besteht bei einem Isolationsfehler Lebensgefahr. Ein defektes Gerät oder eine beschädigte Leitung kann den vollen Netzstrom über den menschlichen Körper ableiten.
  • Materialermüdung: Isolierungen aus Gummi oder textilem Gewebe werden nach Jahrzehnten spröde und brüchig. An Klemmstellen oxidieren Kontakte, der Übergangswiderstand steigt, und es entsteht Wärme.

Laut dem Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung (IFS) sind defekte Elektroanlagen die häufigste Brandursache in deutschen Wohngebäuden. Wer eine Immobilie kaufen möchte, sollte die Elektrik deshalb vor der Kaufentscheidung prüfen lassen. Mehr dazu erfahren Sie auf unserer Seite zur Hauskaufberatung.

Was ist die klassische Nullung und warum muss sie ersetzt werden?

Die klassische Nullung, auch TN-C-System genannt, war bis in die 1970er Jahre die Standardinstallation in Deutschland. Bei diesem System werden Schutzleiter (PE) und Neutralleiter (N) in einem einzigen Leiter zusammengefasst, dem sogenannten PEN-Leiter.

Das Problem: Wenn dieser PEN-Leiter unterbricht, etwa durch eine lockere Klemme oder einen Kabelbruch, liegen alle angeschlossenen Metallgehäuse unter Spannung. Ein Waschmaschinengehäuse, eine Herdplatte oder ein Heizkörper können dann bei Berührung einen tödlichen Stromschlag verursachen, ohne dass eine Sicherung auslöst.

Das moderne TN-S-System trennt Schutzleiter und Neutralleiter durchgängig voneinander. Jede Steckdose hat drei Adern: Phase, Neutralleiter und einen separaten Schutzleiter. Nur mit dieser Trennung funktionieren Fehlerstromschutzschalter zuverlässig.

Die Umstellung von TN-C auf TN-S erfordert in der Regel eine neue Unterverteilung und neue Leitungen zu den Steckdosen und Verbrauchern. Das ist aufwendig, aber alternativlos, wenn die Anlage den heutigen Sicherheitsstandards entsprechen soll.

Welche Risiken bergen Aluminiumleitungen?

Zwischen den 1960er und 1970er Jahren wurden in vielen Gebäuden Aluminiumleitungen statt Kupferleitungen verlegt. Der Grund war einfach: Aluminium war billiger. Die Folgen zeigen sich erst Jahrzehnte später.

Aluminium hat mehrere Eigenschaften, die es für Elektroinstallationen problematisch machen:

  • Kaltfließverhalten: Unter dem Druck einer Klemmschraube gibt Aluminium langsam nach. Die Verbindung wird locker, der Übergangswiderstand steigt, und an der Klemmstelle entsteht Wärme.
  • Oxidation: Aluminium bildet an der Oberfläche eine Oxidschicht, die schlecht leitet. Auch das erhöht den Widerstand an Kontaktstellen.
  • Sprödigkeit: Im Gegensatz zu Kupfer wird Aluminium mit der Zeit spröde. Wenn eine Leitung bei Renovierungsarbeiten bewegt oder gebogen wird, kann sie brechen.
  • Inkompatibilität: Aluminiumleitungen dürfen nicht einfach an Kupferleitungen angeklemmt werden. An der Kontaktstelle zwischen den beiden Metallen entsteht elektrochemische Korrosion.

Aluminiumleitungen lassen sich am einfachsten an der Farbe erkennen: Sie sind silbergrau, während Kupferleitungen rötlich-braun sind. Wenn Sie bei Renovierungsarbeiten Aluminiumleitungen vorfinden, sollten Sie die gesamte Installation durch einen Fachbetrieb überprüfen lassen. Mehr zur Zustandsbewertung von Altbauten finden Sie auf unserer Seite zur Bauzustandsprüfung.

Haben Sie Fragen zur Elektroinstallation in Ihrem Altbau? Kontaktieren Sie uns für eine Einschätzung.

Wann ist die Erneuerung der Elektrik gesetzlich vorgeschrieben?

Eine generelle Pflicht, die Elektrik in Bestandsgebäuden auf den neuesten Stand zu bringen, gibt es in Deutschland nicht. Die Anlage muss lediglich dem Stand der Technik zum Zeitpunkt der Installation entsprechen. Das ändert sich jedoch, sobald Sie an der Anlage etwas verändern.

Die DIN VDE 0100-410 schreibt vor, dass bei jeder wesentlichen Änderung oder Erweiterung der Elektroanlage der aktuelle Standard einzuhalten ist. Als wesentliche Änderung gilt:

  • Das Hinzufügen neuer Stromkreise (z. B. für eine Küche oder ein Badezimmer)
  • Der Einbau eines neuen Zählerschranks oder einer neuen Unterverteilung
  • Die Erneuerung der Steigleitung vom Hausanschluss zur Wohnung
  • Umfangreiche Renovierungsarbeiten, bei denen Wände geöffnet werden

Zusätzlich fordert die DIN VDE 0100-410 seit 2007 Fehlerstromschutzschalter (RCDs) für Steckdosenstromkreise in Neubauten. Seit der Überarbeitung 2012 gilt die Pflicht für alle Steckdosenstromkreise bis 32 Ampere. Bei Bestandsgebäuden greift diese Pflicht, sobald eine wesentliche Änderung vorgenommen wird.

Auch ohne gesetzliche Pflicht gilt: Der Eigentümer haftet für Schäden, die durch eine mangelhafte Elektroanlage verursacht werden. Die Verkehrssicherungspflicht verpflichtet den Eigentümer, erkennbare Gefahren zu beseitigen.

Woran erkennen Sie, dass die Elektrik veraltet ist?

Einige Anzeichen deuten zuverlässig darauf hin, dass eine Elektroinstallation nicht mehr zeitgemäß ist:

  • Schraubsicherungen statt Leitungsschutzschalter: Die alten runden Sicherungselemente (Diazed) zeigen, dass die Verteilung aus einer Zeit vor den 1980er Jahren stammt.
  • Zweiadrige Leitungen: Steckdosen ohne Schutzkontakt (nur zwei Löcher, keine seitlichen Erdungskontakte) deuten auf fehlendes Schutzleitersystem hin.
  • Textilummantelte Leitungen: Leitungen mit Stoff- oder Gummiisolierung stammen aus der Vorkriegs- oder frühen Nachkriegszeit.
  • Wenige Steckdosen pro Raum: Ein bis zwei Steckdosen pro Zimmer waren in den 1950er und 1960er Jahren üblich. Heute rechnet man mit mindestens drei bis vier pro Raum.
  • Flackerndes Licht oder warme Schalter: Flackern ohne erkennbare Ursache deutet auf schlechte Kontakte hin. Schalter oder Steckdosen, die sich warm anfühlen, sind ein akutes Warnsignal.
  • Kein FI-Schutzschalter: Fehlt im Sicherungskasten ein FI-Schutzschalter (erkennbar an der Prüftaste), gibt es keinen Schutz gegen Fehlerströme.

Besonderheiten bei Altbauten für Nürnberg

In Nürnberg liegt der Anteil an Nachkriegsbauten besonders hoch. Da über 90 Prozent der Baumasse im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, stammt der Großteil des Gebäudebestands aus den 1950er und 1960er Jahren. Die Elektroanlagen dieser Zeit weisen fast durchweg die beschriebenen Probleme auf: klassische Nullung, dünne Leitungsquerschnitte, fehlender FI-Schutz.

In den Gründerzeitquartieren wie St. Johannis, Gostenhof und Maxfeld finden sich vereinzelt noch Gebäude mit Vorkriegsinstallationen. Hier können die Leitungen über 80 Jahre alt sein, mit textiler Isolation und auf Putz verlegten Rohren. Diese Installationen sind in der Regel komplett erneuerungsbedürftig.

In den Nachkriegssiedlungen wie Langwasser, Schweinau und Röthenbach wurde oft mit Aluminiumleitungen gebaut. Die einfache Bauweise dieser Siedlungen macht die Elektrosanierung zwar zugänglicher als in massiven Altbauten, der Aufwand bleibt aber erheblich.

Wenn Sie einen Altbau für Nürnberg kaufen oder sanieren möchten, empfiehlt sich eine Bestandsaufnahme der gesamten technischen Gebäudeausrüstung. Auf unserer Seite zur Sanierungsberatung erfahren Sie, wie ein Sachverständiger Sie bei der Planung unterstützt.

Wie läuft die Erneuerung der Elektrik im Altbau ab?

Eine vollständige Elektrosanierung folgt in der Regel diesen Schritten:

  1. Bestandsaufnahme: Ein Fachbetrieb oder Sachverständiger dokumentiert den Ist-Zustand, prüft die vorhandene Installation und identifiziert Mängel.
  2. Planung: Auf Basis der Bestandsaufnahme wird geplant, welche Leitungen erneuert werden müssen, wo neue Stromkreise benötigt werden und welche Schutzmaßnahmen nachzurüsten sind.
  3. Leitungsverlegung: Im Altbau bedeutet das in der Regel Schlitze stemmen, neue Leitungen einziehen und Unterputzdosen setzen. In Bestandswohnungen ist das mit erheblichem Eingriff in die Bausubstanz verbunden.
  4. Neue Verteilung: Der alte Sicherungskasten wird durch eine moderne Unterverteilung mit Leitungsschutzschaltern und FI-Schutzschaltern ersetzt.
  5. Abnahme und Prüfung: Nach Abschluss der Arbeiten muss die Anlage nach DIN VDE 0100-600 geprüft und ein Prüfprotokoll erstellt werden.

Die Arbeiten sollten immer durch einen eingetragenen Elektrofachbetrieb ausgeführt werden. Eigenleistungen an der Elektroinstallation sind nicht zulässig und können den Versicherungsschutz gefährden.

Sie planen eine Altbausanierung und möchten den Gesamtzustand der Immobilie beurteilen lassen? Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 und vereinbaren Sie einen Termin.

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Häufige Fragen

Muss ich die komplette Elektrik im Altbau erneuern?

Nicht zwingend. Wenn einzelne Stromkreise noch funktionsfähig und sicher sind, können sie bestehen bleiben. Bei jeder Erweiterung oder Änderung muss der betroffene Teil jedoch dem aktuellen Stand der Technik entsprechen. Eine Bestandsaufnahme klärt, was bleiben kann und was getauscht werden muss.

Ist ein FI-Schutzschalter im Altbau Pflicht?

In Bestandsgebäuden ohne Veränderung an der Anlage besteht keine Nachrüstpflicht. Sobald Sie jedoch Stromkreise erweitern oder verändern, müssen FI-Schutzschalter nachgerüstet werden. Unabhängig von der Pflicht ist die Nachrüstung dringend empfohlen, da der FI-Schutzschalter vor tödlichen Stromunfällen schützt.

Wie erkenne ich Aluminiumleitungen in meinem Haus?

Öffnen Sie eine Steckdose oder einen Lichtschalter (bei abgeschalteter Sicherung). Aluminiumleitungen sind silbergrau und matter als Kupferleitungen. Kupfer erkennen Sie an der rötlich-braunen Farbe. Im Zweifelsfall kann ein Elektriker bei einer Sichtprüfung das Material sicher bestimmen.

Kann ich Aluminiumleitungen einfach an Kupfer anschließen?

Nein. Die direkte Verbindung von Aluminium und Kupfer führt zu elektrochemischer Korrosion an der Kontaktstelle. Es gibt spezielle Verbindungsklemmen für die Übergangsverbindung, die jedoch nur als Übergangslösung gelten. Langfristig sollten Aluminiumleitungen durch Kupferleitungen ersetzt werden.

Was bedeuten warme Steckdosen?

Steckdosen oder Schalter, die sich warm anfühlen, deuten auf einen erhöhten Übergangswiderstand hin. Das kann durch lose Klemmen, korrodierte Kontakte oder überlastete Leitungen verursacht werden. Schalten Sie den betroffenen Stromkreis ab und lassen Sie die Ursache von einem Elektriker prüfen. Wärme an elektrischen Verbindungen ist eine häufige Vorstufe zu Kabelbränden.

Worauf sollte ich beim Hauskauf bezüglich der Elektrik achten?

Achten Sie auf das Alter der Verteilung, die Art der Sicherungen, vorhandene FI-Schutzschalter und die Anzahl der Steckdosen pro Raum. Fragen Sie nach dem letzten Prüfprotokoll. Ein Sachverständiger kann die Elektroanlage im Rahmen einer Kaufberatung mitbeurteilen.

Verliert mein Versicherungsschutz bei alter Elektrik?

Wenn ein Brand nachweislich durch eine mangelhafte Elektroanlage verursacht wird und der Eigentümer den Zustand kannte oder hätte kennen müssen, kann die Versicherung die Leistung kürzen oder verweigern. Regelmäßige Prüfungen durch einen Fachbetrieb dokumentieren Ihre Sorgfaltspflicht.

Brauche ich einen Sachverständigen oder reicht ein Elektriker?

Für die Ausführung der Arbeiten brauchen Sie einen Elektrofachbetrieb. Ein Sachverständiger ist dann sinnvoll, wenn Sie den Gesamtzustand einer Immobilie vor dem Kauf beurteilen lassen möchten oder wenn es Streit über die Qualität ausgeführter Arbeiten gibt. Der Sachverständige bewertet, der Elektriker repariert.

Sie möchten einen Altbau für Nürnberg vor dem Kauf oder vor einer Sanierung auf Herz und Nieren prüfen lassen? Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. Als DEKRA-zertifizierter Sachverständiger beurteilt Jörg Aichinger den Zustand der Immobilie und berät Sie zu den nächsten Schritten.

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