DEKRA-geprüfter Bausachverständiger für Nürnberg
Sanierung & Modernisierung 17.03.2026 · Jörg Aichinger
Fassadensanierung: Methoden und Ablauf

Das Wichtigste in Kürze:

  • Putzausbesserung eignet sich bei punktuellen Schäden, wenn die Fassade insgesamt intakt ist.
  • Neuverputz wird nötig, wenn der Altputz großflächig hohl liegt, absandet oder durch Feuchtigkeit geschädigt ist.
  • Ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) verbessert den Wärmeschutz und erneuert gleichzeitig die Fassadenoberfläche.
  • Die vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF) ist die technisch anspruchsvollste Lösung und eignet sich besonders bei feuchtebelasteten Wänden.
  • Sandsteinfassaden, wie sie für Nürnberg typisch sind, erfordern besondere Sanierungsmethoden und dürfen nicht mit Standardmörteln behandelt werden.
  • Vor jeder Sanierung sollte ein Sachverständiger die Schadensursache klären, damit die Maßnahme dauerhaft wirkt.

Eine Fassadensanierung ist mehr als ein frischer Anstrich. Wenn der Putz bröckelt, Risse sich ausbreiten oder die Dämmwirkung der Außenwand nicht mehr ausreicht, stehen Eigentümer vor der Frage: Welche Methode ist die richtige? Die Antwort hängt vom Zustand der Fassade, vom Baujahr, vom gewünschten Ergebnis und natürlich von der Schadensursache ab. In Nürnberg kommt eine weitere Besonderheit hinzu: Viele Gebäude haben Sandsteinfassaden, die andere Sanierungsverfahren erfordern als verputzte Mauerwerksbauten. Dieser Artikel stellt die vier wichtigsten Methoden vor und erklärt, wann welche Variante sinnvoll ist.

Wann reicht eine Putzausbesserung?

Eine Putzausbesserung ist die einfachste und kostengünstigste Sanierungsmethode. Sie eignet sich, wenn die Fassade insgesamt in gutem Zustand ist und nur einzelne Stellen Schäden aufweisen.

Typische Fälle für eine Putzausbesserung:

  • Einzelne Risse, die nicht auf Setzungen oder Konstruktionsmängel zurückgehen
  • Abgeplatzte Stellen, die weniger als zehn Prozent der Fassadenfläche ausmachen
  • Oberflächliche Frostschäden im Sockelbereich
  • Beschädigungen durch mechanische Einwirkung, etwa Anfahrschäden

Der Ablauf ist geradlinig: Der geschädigte Putz wird bis auf den tragfähigen Untergrund abgeschlagen, der Untergrund wird gereinigt und grundiert, und dann wird mit einem passenden Putzmörtel aufgebaut. Entscheidend ist die Wahl des richtigen Mörtels. Der Reparaturmörtel muss in Härte und Zusammensetzung zum vorhandenen Putz passen. Ein zu harter Reparaturmörtel auf einem weichen Altputz führt zu Spannungsrissen an den Übergängen.

Die Putzausbesserung hat allerdings Grenzen. Wenn sich bei der Klopfprobe herausstellt, dass der Putz auf größeren Flächen hohl liegt, oder wenn die Ursache für die Schäden in der Konstruktion liegt, etwa fehlende Horizontalsperre oder mangelhafter Wärmeschutz, dann ist eine Ausbesserung nur Kosmetik. In solchen Fällen ist eine umfassendere Sanierung wirtschaftlicher. Mehr zur Beurteilung solcher Schäden erfahren Sie auf unserer Seite zur Bauschaden-Bewertung.

Was bedeutet ein kompletter Neuverputz?

Beim Neuverputz wird der gesamte alte Putz von der Fassade entfernt und durch einen neuen Putzaufbau ersetzt. Diese Methode ist notwendig, wenn der Altputz großflächig geschädigt ist und eine Ausbesserung nicht mehr sinnvoll wäre.

Anzeichen, die für einen Neuverputz sprechen:

  • Der Putz klingt auf mehr als 30 Prozent der Fläche hohl
  • Großflächige Salzausblühungen, die auf Feuchtigkeit im Mauerwerk hindeuten
  • Putzoberfläche sandelt großflächig ab
  • Mehrfache Überputzungen haben den Aufbau so dick gemacht, dass er sich vom Untergrund löst

Der Ablauf eines Neuverputzes: Zunächst wird der Altputz maschinell oder von Hand abgeschlagen. Dabei wird der Zustand des Mauerwerks sichtbar. Lose Fugen werden ausgekratzt und neu verfugt. Schadhafte Steine werden ersetzt. Anschließend wird der Untergrund mit einer Grundierung vorbereitet und ein mehrschichtiger Putzaufbau aufgetragen: Spritzbewurf, Unterputz, Oberputz.

Bei der Gelegenheit eines Neuverputzes lohnt es sich, gleichzeitig notwendige Maßnahmen an der Bausubstanz durchzuführen. Fehlende Horizontalsperren können nachträglich eingebracht werden, defekte Fensterbänke lassen sich erneuern, und Anschlüsse an Dach und Sockel können fachgerecht abgedichtet werden.

Haben Sie Fragen zur Fassadensanierung? Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Gespräch.

Wie funktioniert ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS)?

Ein WDVS kombiniert Wärmedämmung und neue Fassadenoberfläche in einem System. Dämmplatten, meistens aus Polystyrol (EPS) oder Mineralwolle, werden auf die vorhandene Außenwand geklebt und gedübelt, dann mit einer Armierungsschicht aus Gewebe und Spachtel überzogen und abschließend verputzt.

Ein WDVS ist sinnvoll, wenn neben der Fassadensanierung auch der Wärmeschutz verbessert werden soll. Bei Gebäuden mit ungedämmten Außenwänden, typischerweise vor 1990 errichtet, gehen über die Fassade 20 bis 35 Prozent der Heizenergie verloren. Ein WDVS mit 14 bis 16 Zentimetern Dämmstärke kann diesen Verlust um bis zu 75 Prozent reduzieren.

Wichtige Punkte beim WDVS:

  • Untergrund: Die vorhandene Fassade muss tragfähig sein. Auf hohlem oder durchfeuchtetem Altputz hält kein WDVS dauerhaft. Gegebenenfalls muss der Altputz vorher entfernt werden.
  • Fensteranschlüsse: Durch die zusätzliche Dämmschicht rückt die Fassadenfläche nach außen. Fenster- und Türlaibungen müssen mitgedämmt werden, Fensterbänke verlängert, Regenrinnen versetzt.
  • Algenbewuchs: WDVS-Fassaden kühlen nachts stärker aus als ungedämmte Wände. Auf der kalten Oberfläche kann Kondenswasser Algenwachstum begünstigen, besonders an Nordfassaden.
  • Denkmalschutz: Bei denkmalgeschützten Gebäuden ist ein WDVS auf der Außenseite oft nicht zulässig. Hier kommen Innendämmung oder vorgehängte Fassaden in Betracht.

Ob ein WDVS für Ihre Fassade die richtige Wahl ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Detaillierte Beratung finden Sie auf unserer Seite zur Sanierungsberatung.

Was ist eine vorgehängte hinterlüftete Fassade?

Die vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF) ist die technisch aufwendigste, aber auch vielseitigste Methode der Fassadensanierung. Bei dieser Konstruktion wird eine Unterkonstruktion aus Metall- oder Holzprofilen an der Außenwand befestigt. In den Zwischenraum kommt die Wärmedämmung. Davor wird mit Abstand die eigentliche Fassadenbekleidung montiert, etwa Faserzementplatten, Naturstein, Klinkerriemchen, HPL-Platten oder sogar Holz.

Der entscheidende Vorteil: Zwischen Dämmung und Fassadenbekleidung befindet sich ein Luftspalt von zwei bis vier Zentimetern. Durch diesen Spalt zirkuliert Luft, die eventuell eindringende Feuchtigkeit zuverlässig abführt. Das macht die VHF besonders geeignet für Gebäude mit feuchtebelastetem Mauerwerk oder für Fassaden, bei denen ein WDVS aufgrund der Untergrundqualität nicht möglich ist.

Weitere Vorteile der VHF:

  • Langlebigkeit: Die Fassadenbekleidung ist nicht direkt der Witterung ausgesetzt, die Dämmung wird durch den Luftspalt trocken gehalten
  • Gestaltungsfreiheit: Verschiedenste Materialien und Farben sind möglich
  • Wartungsfreundlichkeit: Einzelne beschädigte Platten lassen sich austauschen, ohne die gesamte Fassade zu öffnen
  • Schalldämmung: Die mehrschichtige Konstruktion verbessert den Schallschutz erheblich

Die VHF hat allerdings einen höheren Platzbedarf als ein WDVS. Die Fassade rückt deutlich weiter nach außen, was bei eng bebauten Grundstücken oder an der Grundstücksgrenze problematisch sein kann. Auch die Kosten liegen über denen eines WDVS. Dafür ist die Konstruktion technisch robuster und hat eine längere Lebensdauer.

Welche Besonderheiten gelten für Sandsteinfassaden für Nürnberg?

Viele Gebäude für Nürnberg wurden mit dem regional typischen Keupersandstein errichtet. Dieser rötlich-braune Naturstein prägt das Stadtbild in den Gründerzeit-Quartieren wie St. Johannis, Gostenhof und Maxfeld. Die Sanierung von Sandsteinfassaden folgt eigenen Regeln, die sich grundlegend von der Putzsanierung unterscheiden.

Keupersandstein ist weich und porös. Er nimmt leicht Wasser auf und gibt es auch wieder ab. Dieser natürliche Feuchtetransport darf durch die Sanierung nicht unterbunden werden. Deshalb gelten folgende Grundsätze:

  • Kein Zementmörtel: Zementhaltige Reparaturmörtel sind härter als der Sandstein und behindern die Dampfdiffusion. Sie führen dazu, dass Feuchtigkeit sich im Stein staut und ihn von innen zerstört. Stattdessen werden weiche, kalkgebundene Steinersatzmörtel verwendet.
  • Keine Hochdruckreinigung: Der Wasserstrahl eines Hochdruckreinigers trägt die weiche Steinoberfläche ab und öffnet die Poren für noch schnellere Verwitterung. Sandstein wird schonend mit Niederdruck und geeigneten Reinigungsmitteln gesäubert.
  • Kein harter Anstrich: Dispersionsfarben und Lacke versiegeln die Oberfläche. Der Stein kann nicht mehr atmen, Feuchtigkeit staut sich dahinter. Stattdessen kommen mineralische Anstriche auf Silikatbasis zum Einsatz.
  • Steinaustausch statt Überputzen: Stark verwitterte Steine werden durch formgleiche Vierungen ersetzt, nicht überputzt. So bleibt das Erscheinungsbild der Fassade erhalten.

Bei denkmalgeschützten Sandsteinfassaden kommen zusätzliche Auflagen der Denkmalpflege hinzu. Material, Farbe und Oberflächenstruktur der Reparatur müssen zum historischen Bestand passen. Ein Sachverständiger mit Erfahrung in der Natursteinsanierung kann den Zustand beurteilen und die richtigen Maßnahmen empfehlen.

Wie läuft eine Fassadensanierung ab?

Unabhängig von der gewählten Methode folgt eine Fassadensanierung einem festen Ablauf:

1. Bestandsaufnahme: Ein Sachverständiger untersucht die Fassade auf Schäden, prüft den Putz mit der Klopfprobe, misst die Feuchtigkeit im Mauerwerk und beurteilt den Gesamtzustand. Gegebenenfalls werden Thermografie-Aufnahmen gemacht, um Wärmebrücken und Durchfeuchtungen sichtbar zu machen.

2. Schadensanalyse: Die Ursache der Schäden wird geklärt. Putzschäden durch fehlende Horizontalsperre, durch mangelhafte Entwässerung oder durch konstruktive Fehler erfordern unterschiedliche Lösungen.

3. Sanierungskonzept: Auf Basis der Bestandsaufnahme wird die geeignete Methode festgelegt und der Ablauf geplant.

4. Gerüststellung: Für alle Fassadenarbeiten ab dem Erdgeschoss ist ein Gerüst erforderlich. Die Gerüstkosten machen einen erheblichen Teil der Gesamtkosten aus.

5. Ausführung: Die eigentlichen Sanierungsarbeiten, je nach Methode über wenige Tage bis mehrere Wochen.

6. Abnahme: Nach Abschluss der Arbeiten prüft der Sachverständige die Qualität der Ausführung und dokumentiert das Ergebnis.

Eine sorgfältige Bestandsaufnahme vor Beginn der Arbeiten spart Zeit und Geld. Wer ohne Kenntnis der Schadensursache saniert, riskiert, dass der neue Putz nach wenigen Jahren wieder abplatzt.

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Häufige Fragen

Wie erkenne ich, ob meine Fassade sanierungsbedürftig ist?

Achten Sie auf Risse, die sich verbreitern, auf Putz, der beim Klopfen hohl klingt, auf Salzausblühungen und auf Durchfeuchtungen an den Innenwänden. Wenn mehrere dieser Anzeichen zusammentreffen, ist eine sachverständige Beurteilung ratsam.

Kann ich die Fassade sanieren, ohne vorher die Ursache zu klären?

Technisch ja, aber wirtschaftlich ist es unklug. Wenn die Ursache bestehen bleibt, treten die Schäden am neuen Putz oder an der neuen Fassade erneut auf. Die Kosten für die Ursachenklärung stehen in keinem Verhältnis zu einer nochmaligen Sanierung.

Wann ist ein WDVS sinnvoller als ein Neuverputz?

Immer dann, wenn neben der Fassadensanierung auch der Wärmeschutz verbessert werden soll. Bei Gebäuden vor 1990 mit ungedämmten Außenwänden ist ein WDVS in der Regel die wirtschaftlichere Lösung, weil Energieeinsparung und Fassadensanierung in einem Schritt erledigt werden.

Darf ich die Sandsteinfassade meines Altbaus mit normalem Putz überziehen?

Technisch ist es möglich, aber fachlich falsch. Standardputz behindert den Feuchtetransport des Sandsteins und führt langfristig zu Schäden am Stein. Außerdem geht das Erscheinungsbild der Natursteinfassade unwiederbringlich verloren. Bei denkmalgeschützten Gebäuden ist es zudem nicht erlaubt.

Zu welcher Jahreszeit sollte eine Fassadensanierung durchgeführt werden?

Putzarbeiten erfordern frostfreie Temperaturen, idealerweise über fünf Grad Celsius. Die Saison für Fassadenarbeiten liegt zwischen April und Oktober. Vorgehängte Fassaden können witterungsunabhängiger montiert werden. Die Bestandsaufnahme durch einen Sachverständigen ist zu jeder Jahreszeit möglich.

Wie lange hält eine sanierte Fassade?

Ein fachgerecht ausgeführter Neuverputz hält 30 bis 50 Jahre. Ein WDVS erreicht bei guter Verarbeitung 25 bis 40 Jahre. Vorgehängte hinterlüftete Fassaden können bei hochwertigen Materialien 50 Jahre und mehr halten. Entscheidend ist die Qualität der Verarbeitung und die regelmäßige Wartung.

Brauche ich für die Fassadensanierung eine Baugenehmigung?

Eine reine Putzausbesserung oder ein Neuverputz ist in der Regel genehmigungsfrei. Beim Anbringen eines WDVS oder einer vorgehängten Fassade kann eine Genehmigung erforderlich sein, wenn die Fassade über die Grundstücksgrenze oder über Abstandsflächen hinausragt. Bei denkmalgeschützten Gebäuden ist immer eine Abstimmung mit der Denkmalbehörde nötig.

Was kostet eine Fassadensanierung?

Die Kosten richten sich nach Fläche, Methode und Zustand der Bausubstanz. Eine pauschale Angabe ist nicht seriös möglich. Detaillierte Informationen finden Sie auf unserer Kostenseite.

Sie planen eine Fassadensanierung für Nürnberg und möchten den Zustand Ihrer Fassade beurteilen lassen? Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. Als DEKRA-zertifizierter Sachverständiger begutachtet Jörg Aichinger Ihre Fassade und berät Sie zur passenden Sanierungsmethode.

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