DEKRA-geprüfter Bausachverständiger für Nürnberg
Nürnberg & Region 10.02.2026 · Jörg Aichinger

Das Wichtigste in Kürze:

  • Große Teile des Nürnberger Stadtgebiets stehen auf Keupersandstein, einem weichen, porösen Baugrund aus der Trias-Zeit.
  • Keupersandstein hat eine geringere Tragfähigkeit als Festgestein und nimmt Feuchtigkeit kapillar auf.
  • Typische Schadensbilder sind Setzungsrisse, aufsteigende Feuchtigkeit und Hohlräume unter Fundamenten.
  • Gründerzeit-Quartiere wie St. Johannis, Maxfeld und Gostenhof sind wegen fehlender Horizontalsperren besonders betroffen.
  • Historische Felsenkeller unter der Altstadt und dem Burgberg können die Standsicherheit benachbarter Gebäude beeinflussen.
  • Vor einem Immobilienkauf für Nürnberg sollte der Zustand der Fundamente und des Baugrunds geprüft werden.

Sandstein-Fundamente für Nürnberg stellen Eigentümer und Kaufinteressenten vor besondere Herausforderungen. Der Keupersandstein, auf dem weite Teile des Stadtgebiets errichtet wurden, ist geologisch weich, porös und verwitterungsanfällig. Diese Eigenschaften wirken sich direkt auf die Standsicherheit von Gebäuden, die Kellertrockenheit und die langfristige Bausubstanz aus. Als DEKRA-zertifizierter Bausachverständiger begutachte ich regelmäßig Immobilien für Nürnberg und kenne die typischen Schadensbilder, die mit diesem Baugrund zusammenhängen.

Was ist Keupersandstein und warum ist er problematisch?

Keupersandstein ist ein Sedimentgestein aus der oberen Trias-Zeit, das vor etwa 200 bis 230 Millionen Jahren abgelagert wurde. Im Gegensatz zu den harten Sandsteinen des Buntsandsteins ist der Keuper verhältnismäßig weich und porös.

Für die Bautechnik hat das drei wesentliche Konsequenzen:

  • Geringere Tragfähigkeit: Der Baugrund ist weniger belastbar als bei festem Fels. Schwere Bauwerke oder nachträgliche Aufstockungen können den Untergrund überlasten.
  • Hohe Wasseraufnahme: Der poröse Stein nimmt Bodenfeuchtigkeit auf und leitet sie kapillar an Kellerwände und Fundamente weiter. Ohne funktionierende Abdichtung dringt Feuchtigkeit ins Mauerwerk ein.
  • Verwitterungsanfälligkeit: Bei Freilegung, etwa durch Bauarbeiten oder Erosion, verwittert der Sandstein relativ schnell. Wind, Regen und Frost-Tau-Wechsel tragen das Material ab.

Nicht jedes Gebäude auf Keupersandstein hat automatisch Probleme. Viele Immobilien für Nürnberg stehen seit Jahrzehnten stabil auf diesem Untergrund. Entscheidend ist, ob Fundament, Abdichtung und Drainage fachgerecht ausgeführt wurden und ob sich die Bedingungen im Umfeld verändert haben, etwa durch Grundwasserschwankungen oder benachbarte Baumaßnahmen.

Mehr zu typischen Bauschäden und deren Bewertung erfahren Sie auf unserer Seite zur Bewertung von Bauschäden.

Welche Stadtteile für Nürnberg sind besonders betroffen?

Die geologischen Bedingungen variieren innerhalb des Stadtgebiets erheblich. Einige Bereiche sind stärker von sandsteinbedingten Fundamentproblemen betroffen als andere.

Altstadt und Burgberg: Hier liegt der Keupersandstein besonders nah an der Oberfläche. Zusätzlich durchzieht ein weitverzweigtes System historischer Felsenkeller den Untergrund. Diese Hohlräume, die über Jahrhunderte für Bierlagerung, als Vorratskeller und als Luftschutzräume in den Sandstein gehauen wurden, können die Tragfähigkeit des Baugrunds beeinflussen. Bei Grundstückskäufen in diesen Bereichen sollte die unterirdische Situation unbedingt geprüft werden.

Gründerzeit-Quartiere (St. Johannis, Maxfeld, Galgenhof, Gostenhof): Gebäude aus der Gründerzeit stehen häufig auf Sandstein-Streifenfundamenten. Viele dieser Bauten haben keine funktionierende Horizontalsperre gegen aufsteigende Feuchtigkeit. Holzbalkendecken und Sandstein-Mauerwerk machen diese Quartiere anfällig für Feuchtigkeitsschäden.

Flussnahe Lagen (Wöhrd, Maxfeld): Die Pegnitz durchfließt das Stadtgebiet und beeinflusst den Grundwasserspiegel in den angrenzenden Gebieten. Schwankendes Grundwasser belastet Fundamente zusätzlich, da der poröse Sandstein das Wasser aufnimmt und weiterleitet.

Wenn Sie eine Immobilie für Nürnberg kaufen möchten, empfiehlt sich vorab eine professionelle Hauskaufberatung, die auch den Zustand der Fundamente berücksichtigt.

Welche typischen Schäden entstehen an Sandstein-Fundamenten?

Im Rahmen von Begutachtungen für Nürnberg begegnen mir bestimmte Schadensbilder immer wieder. Sie hängen direkt mit den Eigenschaften des Keupersandsteins zusammen.

Setzungsrisse

Wenn sich der weiche Sandsteinuntergrund ungleichmäßig setzt, entstehen Risse im Mauerwerk. Besonders betroffen sind Gebäude, bei denen Anbauten oder Aufstockungen auf unterschiedlich tiefen Fundamenten stehen. Auch benachbarte Baumaßnahmen können durch Erschütterungen oder veränderte Wasserverhältnisse Setzungen auslösen. Typisch sind diagonale Risse, die von Fenster- und Türecken ausgehen.

Aufsteigende Feuchtigkeit

Durch die Porosität des Sandsteins steigt Bodenfeuchtigkeit kapillar im Mauerwerk auf. Ältere Gebäude ohne Horizontalsperre sind besonders betroffen. Typische Anzeichen sind Salzausblühungen an Innenwänden, abplatzender Putz im Erdgeschoss, muffiger Geruch und Schimmelbildung in bodennahen Bereichen. In schweren Fällen kann die Feuchtigkeit bis ins erste Obergeschoss aufsteigen.

Detaillierte Informationen zum Thema Feuchtigkeit finden Sie auf unserer Seite zu Feuchteschäden und Schimmelpilzschäden.

Hohlräume und Unterspülungen

Fließendes Wasser kann den weichen Sandstein über die Zeit auswaschen und Hohlräume unter Fundamenten bilden. Das ist ein ernstes Problem, das zu plötzlichen Setzungen führen kann. Besonders gefährdet sind Gebäude in der Nähe alter Felsenkeller oder in Hanglagen, wo Schicht- und Sickerwasser den Baugrund ausspülen kann.

Verwitterung freigelegter Fundamentsteine

Bei Gebäuden, deren Sandstein-Fundamente teilweise freiliegen, etwa durch Geländeabsenkung oder fehlende Sockelverkleidung, schreitet die Verwitterung voran. Frost-Tau-Wechsel sprengen Schichten ab, Regen wäscht das Bindemittel aus. Der Querschnitt des Fundaments verringert sich, die Tragfähigkeit nimmt ab.

Wie werden Sandstein-Fundamente fachgerecht geprüft?

Eine fundierte Begutachtung von Sandstein-Fundamenten umfasst mehrere Schritte. Zunächst wird der sichtbare Zustand des Mauerwerks und der Kellerwände dokumentiert. Risse werden vermessen und ihre Verläufe kartiert. Die Feuchtigkeitswerte im Mauerwerk werden an mehreren Stellen gemessen.

Bei Verdacht auf Hohlräume oder Unterspülungen kann eine Baugrunderkundung erforderlich sein. In der Altstadt und am Burgberg ist zusätzlich zu prüfen, ob historische Felsenkeller die Standsicherheit beeinflussen.

Die Ergebnisse werden in einem Gutachten zusammengefasst, das den Ist-Zustand beschreibt, die Ursachen der Schäden benennt und Sanierungsempfehlungen gibt.

Haben Sie Fragen zum Zustand Ihrer Immobilie für Nürnberg? Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Gespräch.

Was können Eigentümer präventiv tun?

Auch wenn nicht jeder Riss sofort saniert werden muss, sollten Eigentümer von Gebäuden auf Keupersandstein einige Punkte beachten:

  1. Risse dokumentieren und beobachten: Fotografieren Sie Risse mit einem Maßstab und notieren Sie das Datum. Prüfen Sie nach einigen Monaten, ob sich Breite oder Länge verändert haben. Rissmarken (Gipsplomben) sind ein einfaches Mittel zur Überwachung.
  2. Keller trocken halten: Prüfen Sie regelmäßig, ob Drainage und Kellerabdichtung funktionieren. Stehendes Wasser am Fundament beschleunigt die Durchfeuchtung des Sandsteins erheblich.
  3. Regenwasser vom Gebäude wegführen: Fallrohre sollten in funktionierende Ableitungen münden. Versickerung direkt am Fundament ist bei Keupersandstein besonders schädlich.
  4. Vor Umbau: Baugrund prüfen lassen: Bei Erweiterungen, Aufstockungen oder Kellerausbauten muss die Tragfähigkeit des vorhandenen Fundaments und des Baugrunds bewertet werden.
  5. Felsenkeller berücksichtigen: Bei Grundstücken in der Altstadt oder am Burgberg immer nach unterirdischen Hohlräumen fragen. Historische Karten und das Felsenkeller-Kataster der Stadt können Hinweise liefern.

Nachkriegsbauten auf historischen Fundamenten

Eine Besonderheit für Nürnberg ergibt sich aus der Stadtgeschichte. Über 90 Prozent der Baumasse wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Viele Nachkriegsbauten wurden auf den Fundamenten und Kellergewölben der Vorgängerbauten errichtet. Das Ergebnis ist eine Mischbauweise: moderne Konstruktionen auf mittelalterlichen oder gründerzeitlichen Sandstein-Fundamenten.

Diese Kombination kann problematisch sein. Die alten Fundamente waren für geringere Lasten ausgelegt. Die neuen Geschosse, oft in Stahlbeton statt in leichtem Fachwerk, belasten den Baugrund stärker. Setzungen, die sich in den Nachkriegsjahrzehnten entwickelt haben, sind heute als Risse und Verformungen sichtbar. Eine Bauzustandsprüfung klärt, ob diese Verformungen abgeschlossen und stabil sind oder ob sie fortschreiten.

Häufige Fragen

Was ist Keupersandstein und warum ist er problematisch für Fundamente?

Keupersandstein ist ein weiches, poröses Sedimentgestein aus der Trias-Zeit. Seine geringe Tragfähigkeit, hohe Wasseraufnahme und Verwitterungsanfälligkeit können zu Setzungen, aufsteigender Feuchtigkeit und Substanzverlust an Fundamenten führen.

Welche Stadtteile für Nürnberg sind besonders von Sandstein-Problemen betroffen?

Besonders betroffen sind die Altstadt und der Burgberg (Felsenkeller und Hohlräume), Gründerzeit-Quartiere wie St. Johannis, Maxfeld und Gostenhof (fehlende Horizontalsperren) sowie flussnahe Lagen an der Pegnitz (schwankendes Grundwasser).

Woran erkenne ich Fundamentschäden durch Sandstein?

Typische Anzeichen sind diagonale Risse im Mauerwerk, klemmende Fenster und Türen, Salzausblühungen und abplatzender Putz im Erdgeschoss, feuchte Kellerwände und schiefe Fußböden.

Kann man ein Haus mit Sandstein-Fundament bedenkenlos kaufen?

Ja, wenn der Zustand fachkundig geprüft wurde. Viele Gebäude stehen seit Jahrzehnten stabil auf Keupersandstein. Entscheidend ist, ob Abdichtung und Drainage funktionieren und ob Setzungen abgeschlossen sind.

Sind Haarrisse im Mauerwerk bei Sandstein-Fundamenten gefährlich?

Haarrisse bis 0,2 mm Breite sind in der Regel unbedenklich. Erst bei breiteren Rissen oder bei Rissen, die sich verändern, sollte ein Sachverständiger die Ursache untersuchen.

Welche Rolle spielen die Felsenkeller unter der Nürnberger Altstadt?

Das weitverzweigte Kellersystem kann die Tragfähigkeit des Baugrunds beeinflussen. Hohlräume unter oder neben Fundamenten führen zu ungleichmäßigen Lastabtragungen. Bei Grundstückskäufen in der Altstadt sollte die unterirdische Situation geprüft werden.

Was kann ich als Eigentümer präventiv gegen Fundamentschäden tun?

Regelmäßig Risse dokumentieren, Drainage und Abdichtung prüfen, Regenwasser vom Gebäude wegführen und bei Umbauvorhaben den Baugrund untersuchen lassen.

Warum steigt Feuchtigkeit in Sandstein-Fundamenten auf?

Keupersandstein ist porös und nimmt Wasser kapillar auf. Ohne funktionierende Horizontalsperre steigt Bodenfeuchtigkeit im Mauerwerk nach oben. Besonders Altbauten aus der Gründerzeit haben oft keine wirksame Horizontalsperre mehr.

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