Das Wichtigste in Kürze:
- Bauthermografie macht Wärmeverluste und Wärmebrücken an Gebäuden sichtbar, ohne die Bausubstanz zu beschädigen
- Die Messung ist nur während der Heizperiode (Oktober bis März) bei mindestens 10 Grad Temperaturdifferenz aussagekräftig
- Wärmebilder zeigen Oberflächentemperaturen, nicht den tatsächlichen Dämmwert einer Wand
- Typische Befunde sind fehlende Dämmung, durchfeuchtete Bauteile, Luftundichtheiten und konstruktive Wärmebrücken
- Eine fachkundige Auswertung ist entscheidend, da Reflexionen, Wind und Sonneneinstrahlung die Bilder verfälschen können
Die Bauthermografie ist ein bewährtes Werkzeug, um energetische Schwachstellen an Gebäuden aufzudecken. Mit einer Wärmebildkamera werden Temperaturunterschiede auf Bauteiloberflächen sichtbar gemacht, die dem bloßen Auge verborgen bleiben. Für Immobilien für Nürnberg und Umgebung ist die Methode besonders aufschlussreich, denn die Mischbauweise aus verschiedenen Epochen bringt häufig unerwartete Schwachstellen mit sich.
Wie funktioniert Bauthermografie?
Eine Wärmebildkamera (Infrarotkamera) erfasst die von Oberflächen abgegebene Wärmestrahlung und wandelt sie in ein farbcodiertes Bild um. Warme Bereiche erscheinen rot oder gelb, kalte Bereiche blau oder violett.
Das physikalische Prinzip dahinter ist einfach: Jede Oberfläche mit einer Temperatur über dem absoluten Nullpunkt gibt Infrarotstrahlung ab. Die Kamera misst diese Strahlung und errechnet daraus die Oberflächentemperatur. Bei einer beheizten Immobilie strömt Wärme von innen nach außen. An Stellen mit schlechter Dämmung oder Undichtigkeiten entweicht mehr Wärme. Diese Stellen erscheinen auf der Außenaufnahme wärmer als die umgebende Fassade. Umgekehrt zeigen Innenaufnahmen kalte Bereiche an den Stellen, an denen die Wärmedämmung versagt.
Professionelle Kameras lösen Temperaturunterschiede von 0,05 Grad Celsius auf. Damit lassen sich selbst geringe Abweichungen zuverlässig erkennen.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine thermografische Untersuchung?
Aussagekräftige Thermografieaufnahmen sind nur während der Heizperiode möglich, idealerweise zwischen November und Februar.
Die wichtigste Voraussetzung ist eine ausreichende Temperaturdifferenz zwischen Innen- und Außentemperatur. Als Faustregel gelten mindestens 10 Grad Celsius Unterschied. Bei geringerer Differenz sind die Temperaturunterschiede auf der Fassade zu klein, um verlässliche Aussagen zu treffen. Außenaufnahmen sollten in den frühen Morgenstunden vor Sonnenaufgang oder nach Einbruch der Dunkelheit entstehen. Direkte Sonneneinstrahlung erwärmt die Fassade und überlagert die eigentlichen Wärmeverluste. Auch starker Wind verfälscht die Ergebnisse, da er die Oberflächentemperatur durch Konvektion angleicht. Regen und Schnee auf der Fassade sind ebenfalls problematisch. Verdunstungskälte senkt die Oberflächentemperatur und täuscht eine bessere Dämmung vor als tatsächlich vorhanden.
Weitere Informationen zu unseren Leistungen finden Sie auf unserer Seite zur Bauthermografie.
Welche Schwachstellen deckt die Thermografie auf?
Die Bauthermografie zeigt fünf typische Schadensbilder, die bei der energetischen Bewertung eines Gebäudes relevant sind.
Fehlende oder mangelhafte Dämmung: Ungedämmte Bereiche erscheinen auf Außenaufnahmen deutlich wärmer als gedämmte Flächen. Besonders bei nachträglicher Dämmung werden häufig Bereiche ausgelassen, etwa hinter Fallrohren, an Fensterlaibungen oder an der Sockelzone. Die Thermografie macht diese Lücken sofort sichtbar.
Konstruktive Wärmebrücken: Betondeckenauflager, Ringanker, Heizkörpernischen und Rollladenkästen sind Bauteile, die konstruktionsbedingt mehr Wärme nach außen leiten als die umgebende Wand. Sie erscheinen auf dem Wärmebild als helle Linien oder Rechtecke. Diese Wärmebrücken sind nicht immer ein Mangel, sondern oft bauartbedingt. Ihre Ausprägung gibt jedoch Hinweise auf die energetische Qualität der Konstruktion.
Luftundichtheiten: An undichten Fensteranschlüssen, Rollladenkästen, Dachfensterrahmen oder Mauerkronen strömt warme Innenluft unkontrolliert nach außen. Diese Leckagen zeigen sich im Wärmebild als lokale Überhitzungen. In Kombination mit einem Blower-Door-Test lassen sich solche Undichtheiten präzise lokalisieren.
Durchfeuchtung: Feuchte Bauteile leiten Wärme besser als trockene. Durchfeuchtetes Mauerwerk erscheint im Wärmebild wärmer als trockene Bereiche. Gleichzeitig kann Verdunstungskälte an nassen Oberflächen zu kälteren Zonen führen. Die Interpretation erfordert Erfahrung.
Heizungsrohre und Installationen: Unter Putz verlegte Heizungsrohre, Fußbodenheizungsschleifen und elektrische Leitungen werden im Wärmebild sichtbar. Das hilft bei der Planung von Bohrungen und Umbauten.
Was zeigt die Thermografie nicht?
Die Wärmebildkamera misst ausschließlich Oberflächentemperaturen. Sie kann nicht in die Wand hineinschauen oder den tatsächlichen U-Wert eines Bauteils ermitteln.
Ein häufiges Missverständnis: Die Farbe auf dem Wärmebild sagt nichts über den absoluten Dämmwert. Eine rote Fläche bedeutet lediglich, dass diese Stelle wärmer ist als die Umgebung. Ob die Wand schlecht gedämmt ist oder ob eine Heizungsleitung dahinter verläuft, ergibt sich erst aus der fachkundigen Interpretation. Ebenso kann die Thermografie keine Aussage über den Zustand verdeckter Bauteile treffen. Eine intakte Putzoberfläche kann dahinter liegende Schäden an Holzbalken oder Stahlträgern verbergen. Auch Schimmelbefall hinter Möbeln oder Verkleidungen ist nur dann sichtbar, wenn er die Oberflächentemperatur messbar verändert.
Reflexionen von Nachbargebäuden, Fahrzeugen oder dem Himmel können die Messergebnisse verfälschen. Glasflächen reflektieren Infrarotstrahlung besonders stark und zeigen nicht die Temperatur des Glases, sondern die der reflektierten Umgebung. Metallische Oberflächen haben einen niedrigen Emissionsgrad und liefern ohne Korrektur falsche Temperaturwerte.
Haben Sie Fragen zu energetischen Schwachstellen an Ihrer Immobilie? Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Gespräch.
Besonderheiten bei Gebäuden für Nürnberg
Die Bausubstanz für Nürnberg und Umgebung bringt spezifische Herausforderungen für die Thermografie mit sich. Über 90 Prozent der historischen Baumasse wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die Nachkriegsbauten der 1950er- und 1960er-Jahre entstanden häufig auf mittelalterlichen oder gründerzeitlichen Fundamenten. Diese Mischbauweise zeigt im Wärmebild oft unerwartete Muster: Der Übergang zwischen altem Kellermauerwerk und neuem Aufbau ist eine typische Wärmebrücke.
In den Gründerzeitquartieren St. Johannis, Maxfeld und Gostenhof stehen erhaltene Gebäude mit Sandsteinfassaden. Sandstein hat eine hohe Wärmespeicherkapazität. Thermografieaufnahmen an Sandsteinfassaden müssen daher besonders früh morgens erfolgen, da der Stein die Wärme des Vortags lange speichert und die Ergebnisse sonst verfälscht. In Nachkriegssiedlungen wie Langwasser oder Schweinau mit einfacher Bauweise deckt die Thermografie häufig großflächig fehlende Dämmung und unzureichende Fensteranschlüsse auf.
Thermografie und Baubegleitung: Wann lohnt sich die Untersuchung?
Die Bauthermografie ist in verschiedenen Situationen sinnvoll. Beim Hauskauf liefert sie eine schnelle Übersicht über den energetischen Zustand und hilft bei der Einschätzung des Sanierungsbedarfs.
Bei der baubegleitenden Qualitätssicherung prüft die Thermografie nach dem Einbau der Dämmung, ob alle Bereiche lückenlos gedämmt sind. Lücken in der Dämmebene lassen sich zu diesem Zeitpunkt noch einfach beheben. Auch nach einer energetischen Sanierung empfiehlt sich eine Kontrollmessung. Sie zeigt, ob die Maßnahmen fachgerecht ausgeführt wurden und die erwartete Wirkung erzielen. Treten nach einer Sanierung Schimmelprobleme auf, hilft die Thermografie bei der Ursachensuche. Kalte Stellen an Wand- und Deckenanschlüssen sind potenzielle Kondensationspunkte, an denen Schimmel entstehen kann. Mehr dazu auf unserer Seite zu Feuchteschäden und Schimmel.
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Häufige Fragen
Kann ich die Thermografie selbst mit einer günstigen Kamera durchführen?
Smartphone-Aufsätze und einfache Kameras haben eine zu geringe Auflösung und Temperaturgenauigkeit. Professionelle Kameras sind erheblich teurer und deutlich genauer. Entscheidend ist zudem die fachkundige Auswertung der Bilder.
Muss die Heizung für die Messung laufen?
Ja. Das Gebäude muss mindestens 24 Stunden vor der Messung gleichmäßig beheizt sein. Nur so entsteht die nötige Temperaturdifferenz zwischen Innen und Außen.
Wie lange dauert eine thermografische Untersuchung?
Die Aufnahmen vor Ort dauern je nach Gebäudegröße ein bis zwei Stunden. Die Auswertung und der schriftliche Bericht folgen im Anschluss.
Zeigt die Thermografie auch Leitungsleckagen?
Ja, Wasseraustritte aus Heizungs- oder Wasserleitungen unter Putz oder Estrich verändern die Oberflächentemperatur und werden im Wärmebild oft sichtbar. Die Methode ersetzt jedoch keine Leckortung mit Druckprüfung.
Ist Bauthermografie beim Neubau sinnvoll?
Sehr sinnvoll. Die Thermografie prüft, ob die Dämmung lückenlos eingebaut wurde und ob Wärmebrücken an Anschlüssen richtig ausgeführt sind. Am besten erfolgt die Messung in der ersten Heizperiode nach Fertigstellung.
Ersetzt die Thermografie einen Energieausweis?
Nein. Die Thermografie ist eine qualitative Untersuchung, die Schwachstellen aufzeigt. Der Energieausweis berechnet den Energiebedarf oder Energieverbrauch nach normierten Verfahren. Beide Instrumente ergänzen sich.
Was kostet eine Bauthermografie?
Die Kosten richten sich nach Gebäudegröße, Anzahl der Aufnahmen und Umfang der Auswertung. Detaillierte Informationen finden Sie auf unserer Kostenseite.
Kann Thermografie auch im Sommer durchgeführt werden?
Im Sommer fehlt die nötige Temperaturdifferenz für Außenaufnahmen. Innenthermografie zur Leckortung oder zur Prüfung von Fußbodenheizungen ist ganzjährig möglich.
Sie möchten die energetischen Schwachstellen Ihrer Immobilie für Nürnberg sichtbar machen? Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. Als DEKRA-zertifizierter Bausachverständiger führen wir Thermografieuntersuchungen fachgerecht durch und dokumentieren alle Befunde für Sie.