DEKRA-geprüfter Bausachverständiger für Nürnberg
Nürnberg & Region 17.03.2026 · Jörg Aichinger
Nürnberger Felsenkeller: Feuchtigkeit und bauliche Risiken

Das Wichtigste in Kürze:

  • Unter der Nürnberger Altstadt und dem Burgberg erstreckt sich ein weitverzweigtes System aus historischen Felsenkellern
  • Die Keller wurden über Jahrhunderte in den weichen Keupersandstein gehauen und dienten als Bierlager, Vorratskeller und Luftschutzräume
  • Verborgene Hohlräume können bei Bauvorhaben zu Setzungen, Einbrüchen und statischen Problemen führen
  • Feuchtigkeit dringt durch den porösen Sandstein und schädigt Mauerwerk, Putz und Holzbauteile der darüber liegenden Gebäude
  • Vor dem Kauf einer Immobilie in der Altstadt sollte die Keller- und Hohlraumsituation durch einen Sachverständigen geprüft werden
  • Sanierungsmaßnahmen reichen von Injektionsabdichtung über Verfüllung bis zur statischen Ertüchtigung

Die Nürnberger Felsenkeller gehören zu den bekanntesten unterirdischen Bauwerken Bayerns. In Nürnberg sind sie touristisches Highlight und bauliches Risiko zugleich. Das weitverzweigte System erstreckt sich unter großen Teilen der Altstadt und des Burgbergs. Wer eine Immobilie für Nürnberg in diesen Bereichen kaufen, sanieren oder bebauen möchte, muss die unterirdischen Verhältnisse kennen. Feuchtigkeit aus dem porösen Sandstein, unbekannte Hohlräume und statische Unsicherheiten sind Themen, die einen Sachverständigen erfordern.

Wie sind die Nürnberger Felsenkeller entstanden?

Die Felsenkeller wurden ab dem Mittelalter in den anstehenden Keupersandstein gegraben. Sie dienten vorrangig als Lagerkeller für Bier, das bei kühlen Temperaturen von sechs bis acht Grad reifen musste.

Nürnberg war im Mittelalter eine der bedeutendsten Braustädte Europas. Da es noch keine Kühltechnik gab, brauchten die Brauer Keller mit konstant niedrigen Temperaturen. Der weiche Keupersandstein ließ sich vergleichsweise leicht bearbeiten, und der Burgberg bot ideale Voraussetzungen. Im Laufe der Jahrhunderte entstand ein mehrstöckiges Kellersystem mit Gängen, Kammern und Verbindungsstollen.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden viele Keller als Luftschutzräume genutzt und teilweise ausgebaut. Dabei entstanden zusätzliche Verbindungen und Erweiterungen. Nach dem Krieg gerieten zahlreiche Keller in Vergessenheit. Sie wurden zugeschüttet, zugemauert oder schlicht vergessen, als die zerstörte Stadt wieder aufgebaut wurde. Dadurch gibt es bis heute Hohlräume unter der Altstadt, die nicht dokumentiert sind.

Welche baulichen Risiken gehen von Felsenkellern aus?

Die Risiken lassen sich in drei Kategorien einteilen: statische Probleme durch Hohlräume, Feuchtigkeit durch den porösen Sandstein und Schäden durch vergessene oder unbekannte Keller.

Statische Risiken entstehen, wenn die Decken und Wände der Felsenkeller nicht mehr tragfähig sind. Der Keupersandstein verwittert an der Oberfläche, besonders wenn er wechselnder Feuchtigkeit ausgesetzt ist. Sandsteinpfeiler und -gewölbe verlieren an Querschnitt und damit an Tragfähigkeit. Wenn ein Gebäude über einem solchen Keller steht, können Setzungen auftreten, die sich als Risse in Wänden und Decken zeigen.

Feuchtigkeit ist ein ständiger Begleiter der Felsenkeller. Der Keupersandstein ist porös und nimmt Wasser kapillar auf. In den Kellern herrscht ganzjährig hohe Luftfeuchtigkeit, die in das darüber liegende Mauerwerk aufsteigen kann. Wenn die historische Kellerdecke keine wirksame Abdichtung gegen aufsteigende Feuchtigkeit hat, sind feuchte Wände, Salzausblühungen und Schimmelbildung im Erdgeschoss die Folge.

Verborgene Hohlräume sind das heimtückischste Risiko. Nicht alle Felsenkeller sind kartiert. Bei Bauarbeiten, Tiefgründungen oder Erdarbeiten kann ein bisher unbekannter Hohlraum angeschnitten werden. Im schlimmsten Fall bricht die Decke ein und die darüber liegende Fläche sackt ab. Selbst kleinere Hohlräume können bei Erschütterungen durch Baumaschinen instabil werden.

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Worauf müssen Immobilienkäufer in der Altstadt achten?

Wer eine Immobilie in der Nürnberger Altstadt oder am Burgberg kaufen möchte, sollte die unterirdische Situation vor dem Kauf klären lassen. Überraschungen nach dem Notarvertrag können teuer werden.

Achten Sie bei der Besichtigung auf folgende Anzeichen: Feuchte Wände im Erd- oder Untergeschoss, Salzausblühungen an Sandsteinmauern, Risse in tragenden Wänden, absackende Böden oder Türen und Fenster, die nicht mehr richtig schließen. Diese Symptome können auf Setzungen durch unterirdische Hohlräume oder auf Feuchtigkeitseinwirkung aus dem Felsenkellersystem hindeuten.

Fragen Sie den Verkäufer, ob Felsenkeller unter oder neben dem Gebäude bekannt sind. Prüfen Sie die historischen Kellerkataster, die die Stadt teilweise führt. Ein Sachverständiger kann den Keller begutachten und mit Feuchtemessungen, Rissprotokollen und einer Bewertung der statischen Situation eine fundierte Einschätzung liefern.

Gerade bei Gründerzeitgebäuden in St. Johannis oder der Altstadt ist Vorsicht geboten. Die Holzbalkendecken dieser Häuser reagieren empfindlich auf aufsteigende Feuchtigkeit. Wenn der Feuchtigkeitsnachschub aus einem darunterliegenden Felsenkeller kommt, kann das Holz über die Jahre so weit geschädigt werden, dass die Tragfähigkeit gefährdet ist.

Mehr zum Thema erfahren Sie auf unserer Seite zur Hauskaufberatung.

Wie wird Feuchtigkeit aus Felsenkellern saniert?

Die Sanierung von Feuchtigkeitsschäden, die aus Felsenkellern stammen, erfordert ein Verständnis der Ursache. Standardlösungen reichen oft nicht aus, weil die Feuchtigkeit nicht von außen durch das Erdreich, sondern von unten durch den Fels aufsteigt.

Eine horizontale Abdichtung (Horizontalsperre) kann verhindern, dass Feuchtigkeit aus dem Sandstein in das Mauerwerk aufsteigt. Dazu werden Bohrlöcher in einer Linie in die Wand gesetzt und Injektionsmaterial eingepresst, das eine wasserabweisende Schicht bildet. Bei historischem Sandsteinmauerwerk muss das Injektionsmaterial auf den Untergrund abgestimmt sein, damit es die Poren ausreichend durchdringt.

Die Sanierung der Kellerdecke selbst kann erforderlich sein, wenn die Decke gerissen ist oder keine ausreichende Feuchtigkeitssperre aufweist. Mineralische Dichtschlämmen oder Abdichtungsbahnen auf der Oberseite der Kellerdecke verhindern, dass Feuchtigkeit weiter aufsteigt.

Bei statischen Problemen durch verwitterte Sandsteinpfeiler oder -gewölbe kommen Verfüllungen mit Spezialmörtel, Unterfangungen oder Stahlstützen zum Einsatz. Diese Maßnahmen erfordern eine Tragwerksplanung und eine enge Abstimmung mit dem Denkmalschutz, da viele Felsenkeller unter Denkmalschutz stehen.

Haben Sie Feuchtigkeitsprobleme in einem Altbau für Nürnberg? Kontaktieren Sie uns für eine Einschätzung.

Welche Probleme entstehen bei Bauvorhaben über Felsenkellern?

Bauvorhaben auf Grundstücken mit Felsenkellern erfordern besondere Planung. Die unterirdischen Hohlräume beeinflussen die Gründung, die Baugrube und die statische Berechnung.

Bereits bei der Baugrunduntersuchung muss gezielt nach Hohlräumen gesucht werden. Neben klassischen Bohrungen kommen geophysikalische Verfahren wie Bodenradar oder Georadar zum Einsatz. Diese Methoden können Hohlräume und Auflockerungszonen im Sandstein zerstörungsfrei aufspüren.

Die Gründung muss so geplant werden, dass sie nicht auf einem Hohlraum oder auf verwittertem Sandstein aufsitzt. In manchen Fällen ist eine Tiefgründung mit Pfählen notwendig, die durch die Kellerzone hindurch bis in tragfähigen Boden reichen. Alternativ können Hohlräume vor dem Bau mit Spezialmörtel oder Schaumbeton verfüllt werden.

Während der Bauausführung können Erschütterungen durch Bagger, Rammgeräte oder Verdichtungsarbeiten die Stabilität benachbarter Hohlräume gefährden. Ein Beweissicherungsgutachten vor Baubeginn dokumentiert den Zustand der Nachbargebäude und schützt alle Beteiligten vor ungerechtfertigten Schadenersatzforderungen.

Informationen zur baubegleitenden Qualitätssicherung finden Sie auf unserer Seite zur Baubegleitung.

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Häufige Fragen

Wie finde ich heraus, ob unter meinem Grundstück ein Felsenkeller liegt?

Die Stadt Nürnberg führt Unterlagen zu bekannten Felsenkellern. Das Stadtarchiv und das Bauordnungsamt können Auskunft geben. Zusätzlich kann eine Baugrunduntersuchung mit Bohrungen oder Georadar Hohlräume aufspüren. Ein Sachverständiger kann die vorhandenen Informationen bewerten und eine Empfehlung aussprechen.

Sind alle Nürnberger Felsenkeller denkmalgeschützt?

Nicht alle, aber viele Felsenkeller stehen unter Denkmalschutz. Vor Sanierungsmaßnahmen oder Verfüllungen muss mit der unteren Denkmalschutzbehörde geklärt werden, ob eine denkmalrechtliche Erlaubnis erforderlich ist. Auch bei nicht geschützten Kellern gelten bautechnische Vorschriften.

Kann ich einen Felsenkeller als Nutzraum ausbauen?

Grundsätzlich ja, sofern die statischen Voraussetzungen gegeben sind und der Denkmalschutz zustimmt. Die Abdichtung gegen Feuchtigkeit, die Belüftung und die Standsicherheit müssen durch Fachplaner sichergestellt werden. Der Ausbau eines Felsenkellers ist deutlich aufwendiger als bei einem konventionellen Keller.

Welche Anzeichen deuten auf einen unbekannten Hohlraum unter dem Gebäude hin?

Absackende Pflasterflächen oder Gartenbeete, unerklärliche Setzungsrisse in Wänden, Böden die sich wellig verformen und Stellen im Garten, an denen Wasser auffällig schnell versickert, können auf unterirdische Hohlräume hinweisen. Bei Verdacht sollten Sie einen Sachverständigen hinzuziehen.

Was kostet eine Hohlraumerkundung?

Die Kosten richten sich nach Grundstücksgröße, eingesetztem Verfahren und Zugänglichkeit. Detaillierte Informationen finden Sie auf unserer Kostenseite.

Kann Feuchtigkeit aus dem Felsenkeller Schimmel in der Wohnung verursachen?

Ja. Aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Sandstein kann im Erdgeschoss zu erhöhter Wandfeuchtigkeit führen. Wenn die relative Luftfeuchtigkeit an der Wandoberfläche dauerhaft über 80 Prozent liegt, entsteht Schimmelwachstum. Eine Untersuchung klärt, ob der Felsenkeller die Ursache ist.

Sind Neubauten in der Nürnberger Altstadt durch Felsenkeller gefährdet?

Bei fachgerechter Baugrunduntersuchung und angepasster Gründung besteht kein erhöhtes Risiko. Die Gefahr entsteht, wenn Hohlräume bei der Planung nicht erkannt werden. Deshalb ist eine sorgfältige Voruntersuchung Pflicht.

Wer haftet, wenn bei Bauarbeiten ein Felsenkeller einstürzt?

Die Haftung hängt davon ab, ob die Baugrunduntersuchung ordnungsgemäß durchgeführt wurde. Wurde der Hohlraum trotz fachgerechter Untersuchung nicht erkannt, kann ein unvorhersehbares Baugrundrisiko vorliegen. Wurde auf eine Untersuchung verzichtet, tragen Bauherr und Planer die Verantwortung. Ein Beweissicherungsgutachten vor Baubeginn ist daher dringend empfehlenswert.

Sie besitzen eine Immobilie für Nürnberg mit Felsenkeller oder planen einen Kauf in der Altstadt? Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. Als DEKRA-zertifizierter Bausachverständiger prüfen wir Feuchtigkeit, Statik und Hohlraumsituation.

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