Das Wichtigste in Kürze:
- Die Pegnitz verursacht regelmäßig Hochwasser in den Stadtteilen Wöhrd, St. Johannis und Maxfeld
- Starkregenereignisse gefährden auch Gebäude abseits der Pegnitz durch Oberflächenwasser und überlastete Kanäle
- Rückstauklappen in der Grundleitung verhindern, dass Abwasser bei Überlastung in den Keller gedrückt wird
- Bauliche Schutzmaßnahmen wie Abdichtungen, Aufkantungen und Dammbalkensysteme reduzieren das Schadensrisiko erheblich
- Die Elementarschadenversicherung deckt Hochwasserschäden ab, ist aber nicht automatisch in der Gebäudeversicherung enthalten
- Ein DEKRA-zertifizierter Sachverständiger bewertet die Gefährdungslage und empfiehlt passende Schutzmaßnahmen
Hochwasserschutz für Nürnberg ist ein Thema, das viele Hausbesitzer unterschätzen. Die Pegnitz durchfließt das Stadtgebiet und tritt bei starken Niederschlägen oder Schneeschmelze über die Ufer. Gleichzeitig sorgen zunehmende Starkregenereignisse für Überflutungen in Stadtteilen, die weit vom Fluss entfernt liegen. Rückstau aus der Kanalisation trifft vor allem Keller ohne funktionsfähige Rückstausicherung. Wer rechtzeitig bauliche Schutzmaßnahmen ergreift und den Versicherungsschutz prüft, kann Schäden vermeiden oder zumindest begrenzen.
Welche Hochwasserrisiken bestehen für Nürnberg?
Die Hochwasserrisiken für Nürnberg setzen sich aus drei Quellen zusammen: Flusshochwasser der Pegnitz, Starkregen mit Oberflächenabfluss und Rückstau aus der Kanalisation.
Die Pegnitz ist der wichtigste Faktor. Sie fließt durch die Nürnberger Altstadt und hat in der Vergangenheit mehrfach Hochwasser verursacht. Betroffen sind vor allem die flussnahen Stadtteile Wöhrd, St. Johannis und Maxfeld. Der typische Keupersandstein im Nürnberger Baugrund nimmt Wasser auf und gibt es verzögert ab. Das bedeutet, dass der Grundwasserspiegel in flussnahen Lagen noch Tage nach dem Hochwasserereignis erhöht bleiben kann.
Starkregen ist die zweite Gefahr. Ein lokales Gewitter kann innerhalb von Minuten so viel Wasser liefern, dass die Kanalisation die Mengen nicht aufnimmt. Das Wasser läuft oberirdisch ab und sammelt sich in Senken, an Grundstückseinfahrten und vor Kellerfenstern. Dieses Risiko betrifft nicht nur pegnitznahe Lagen, sondern auch Stadtteile wie Langwasser, Eibach oder Ziegelstein, wo das Gelände ungünstig geneigt ist.
Die dritte Gefahr ist der Rückstau. Wenn die Mischkanalisation bei starkem Regen überlastet wird, drückt das Wasser durch die Grundleitung zurück in den Keller. Betroffen sind alle Entwässerungsstellen, die unterhalb der Rückstauebene liegen: Kellerbodenabläufe, Waschmaschinenanschlüsse, WC-Anlagen im Untergeschoss.
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Welche baulichen Schutzmaßnahmen helfen gegen Hochwasser?
Die wirksamsten Schutzmaßnahmen setzen an drei Stellen an: Abdichtung des Gebäudes, Schutz der Gebäudeöffnungen und Sicherung der Entwässerung.
Die Kellerabdichtung ist die Grundlage. Ein Keller, der gegen drückendes Grundwasser nach DIN 18533 abgedichtet ist, hält auch kurzzeitiges Hochwasser stand. Bei Bestandsgebäuden, deren Abdichtung nicht für Druckwasser ausgelegt ist, kann eine nachträgliche Abdichtung von außen oder innen die Schutzwirkung deutlich verbessern. Wichtig ist, dass die Abdichtung auch die Bodenplatte und die Wand-Boden-Anschlüsse umfasst.
Kellerfenster und Lichtschächte sind häufige Schwachstellen. Druckwasserdichte Kellerfenster halten dem Wasserdruck stand und verhindern das Eindringen von Oberflächenwasser. Lichtschächte sollten mit erhöhten Aufkantungen versehen werden, damit sich kein Wasser darin sammelt. Bei Gebäuden in Überflutungsbereichen können Lichtschachtabdeckungen mit Dichtungen sinnvoll sein.
Dammbalkensysteme bieten mobilen Hochwasserschutz für Türen und Garageneinfahrten. Die Balken werden bei Hochwassergefahr in vorinstallierte Führungsschienen eingesetzt und bilden eine wasserdichte Barriere. Für kleinere Öffnungen gibt es auch klappbare Schutzsysteme, die dauerhaft montiert bleiben.
Die Geländegestaltung rund um das Gebäude kann ebenfalls zum Schutz beitragen. Ein Gefälle weg vom Gebäude, Mulden zur Wasserableitung und die Vermeidung von Senken direkt an Hauswänden leiten Oberflächenwasser ab, bevor es den Keller erreicht.
Wie funktioniert eine Rückstausicherung?
Eine Rückstausicherung verhindert, dass Abwasser bei überlasteter Kanalisation durch die Grundleitung in den Keller zurückgedrückt wird. Die gängigste Lösung ist eine Rückstauklappe.
Die Rückstauklappe wird in die Grundleitung eingebaut, idealerweise im Revisionsschacht auf dem Grundstück oder im Keller. Sie funktioniert als Einwegventil: Abwasser kann vom Grundstück in den Kanal fließen, aber nicht umgekehrt. Bei Rückstau schließt die Klappe automatisch.
Für Gebäude mit Entwässerungsstellen unterhalb der Rückstauebene ist die Rückstausicherung keine Option, sondern Pflicht. Die Entwässerungssatzung der Stadt schreibt vor, dass der Grundstückseigentümer sein Gebäude selbst gegen Rückstau sichern muss. Ohne funktionierende Rückstausicherung besteht kein Anspruch auf Schadenersatz gegen die Kommune, wenn Abwasser in den Keller eindringt.
Rückstauklappen müssen regelmäßig gewartet werden. Verunreinigungen können die Dichtflächen beschädigen und die Klappe blockieren. Eine jährliche Wartung mit Funktionsprüfung stellt sicher, dass die Sicherung im Ernstfall zuverlässig schließt.
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Was deckt die Elementarschadenversicherung ab?
Die Elementarschadenversicherung deckt Schäden durch Hochwasser, Starkregen, Rückstau und Überschwemmung ab. Sie ist als Zusatzbaustein zur Gebäudeversicherung abschließbar.
Wichtig: Die reguläre Wohngebäudeversicherung deckt Hochwasserschäden in der Regel nicht ab. Nur wer den Elementarschadenschutz zusätzlich abgeschlossen hat, ist gegen Überflutung versichert. Die Versicherungswirtschaft hat in den vergangenen Jahren die Verfügbarkeit verbessert, aber in Hochrisikogebieten direkt an der Pegnitz kann es zu Einschränkungen kommen.
Vor Abschluss einer Elementarschadenversicherung prüft der Versicherer das Risiko anhand von Hochwasserzonenkarten (ZÜRS-Zonen 1 bis 4). Gebäude in Zone 4 (statistisch mindestens einmal in zehn Jahren betroffen) erhalten oft nur eingeschränkten Schutz oder höhere Selbstbehalte. Bauliche Schutzmaßnahmen wie Rückstauklappen und druckwasserdichte Kellerfenster können die Versicherbarkeit verbessern und die Prämien senken.
Dokumentieren Sie den Zustand Ihres Gebäudes vor einem Schadensfall. Fotos von Keller, Abdichtung und technischer Ausstattung erleichtern die Schadenregulierung erheblich. Ein Sachverständiger kann den Zustand neutral bewerten und in einem Gutachten festhalten.
Welche Stadtteile für Nürnberg sind besonders gefährdet?
Die Hochwassergefährdung für Nürnberg variiert je nach Lage zur Pegnitz, Geländehöhe und Kanalisationskapazität.
Wöhrd liegt als Insel zwischen zwei Pegnitzarmen und ist bei Flusshochwasser direkt betroffen. Die Altstadt-nahen Bereiche profitieren zwar von den Hochwasserschutzmaßnahmen der Stadt, aber bei extremen Ereignissen reichen diese nicht immer aus.
St. Johannis grenzt an die Pegnitz und weist einen hohen Anteil an Gründerzeitgebäuden auf. Die typischen Sandsteinkeller dieser Baujahre wurden ohne moderne Abdichtung errichtet. Holzbalkendecken und fehlende Horizontalsperren machen die Gebäude besonders anfällig für aufsteigende Feuchtigkeit nach Hochwasser.
Maxfeld liegt ebenfalls pegnitz-nah und hat ähnliche bauliche Strukturen wie St. Johannis. In Gostenhof konzentriert sich das Risiko auf die tiefer gelegenen Bereiche Richtung Pegnitz.
Abseits der Pegnitz sind Stadtteile mit ungünstiger Topografie durch Starkregen gefährdet. In Langwasser und Schweinau stammt die Bebauung überwiegend aus der Nachkriegszeit. Die einfache Bauweise dieser Siedlungen bietet wenig Schutz gegen eindringendes Wasser.
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Was tun nach einem Hochwasserschaden?
Nach einem Hochwasser zählt schnelles, aber überlegtes Handeln. Die wichtigsten Schritte in der richtigen Reihenfolge:
Zunächst die Sicherheit prüfen. Betreten Sie überflutete Räume erst, wenn das Wasser abgelaufen ist. Prüfen Sie, ob die Elektroinstallation beschädigt sein könnte. Im Zweifel schalten Sie den Strom für die betroffenen Bereiche am Sicherungskasten ab.
Dann das Wasser kontrolliert abpumpen. Pumpen Sie nicht zu schnell, denn wenn der Grundwasserstand außen noch hoch steht und der Keller innen entleert wird, entsteht ein Druckunterschied, der die Bodenplatte anheben oder beschädigen kann.
Anschließend die Trocknung einleiten. Entfernen Sie Schlamm und durchfeuchtete Materialien. Estrich, Putz und Dämmung müssen je nach Durchfeuchtungsgrad teilweise oder vollständig entfernt werden. Setzen Sie Bautrockner ein und sorgen Sie für Belüftung. Eine fachgerechte Trocknung kann je nach Wandstärke und Material mehrere Wochen bis Monate dauern.
Den Schaden dokumentieren. Fotografieren Sie alle Schäden, bevor Sie mit der Beseitigung beginnen. Notieren Sie Wasserstandshöhen, betroffene Räume und beschädigte Gegenstände. Diese Dokumentation brauchen Sie für die Versicherung.
Einen Sachverständigen hinzuziehen. Nach dem Rückgang des Wassers und einer ersten Trocknung sollte ein Sachverständiger den Zustand der Bausubstanz bewerten. Besonders die Statik, die Abdichtung und mögliche Folgeschäden wie Schimmelbildung müssen geprüft werden.
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Häufige Fragen
Wie erfahre ich, ob mein Grundstück in einem Hochwasserrisikogebiet liegt?
Das Bayerische Landesamt für Umwelt stellt Hochwassergefahrenkarten online bereit. Dort können Sie für jede Adresse die Überflutungsflächen bei verschiedenen Hochwasserszenarien einsehen. Zusätzlich gibt die ZÜRS-Zonierung der Versicherungswirtschaft Auskunft über das statistische Hochwasserrisiko.
Reicht eine Rückstauklappe als alleiniger Hochwasserschutz?
Nein. Eine Rückstauklappe schützt nur gegen Rückstau aus der Kanalisation. Gegen Flusshochwasser und Oberflächenwasser sind zusätzliche Maßnahmen wie eine druckwasserdichte Kellerabdichtung, erhöhte Lichtschächte und gegebenenfalls Dammbalkensysteme notwendig.
Kann ich mein Haus nachträglich gegen Hochwasser schützen?
Ja. Nachträgliche Abdichtungen, Rückstausicherungen, druckwasserdichte Kellerfenster und mobile Hochwasserschutzsysteme lassen sich auch an Bestandsgebäuden realisieren. Ein Sachverständiger prüft, welche Maßnahmen für Ihre Situation sinnvoll und verhältnismäßig sind.
Was kostet eine nachträgliche Hochwasserschutzmaßnahme?
Die Kosten richten sich nach Art und Umfang der Maßnahme sowie nach der Gebäudegröße und der Zugänglichkeit. Detaillierte Informationen finden Sie auf unserer Kostenseite.
Muss der Keller nach einem Hochwasser komplett saniert werden?
Das hängt vom Ausmaß der Durchfeuchtung ab. In vielen Fällen müssen Putz, Estrich und Dämmung entfernt und erneuert werden. Ob die tragende Konstruktion betroffen ist, kann nur ein Sachverständiger nach Begutachtung beurteilen.
Wie lange dauert die Trocknung nach einem Hochwasser?
Je nach Wandstärke, Material und Durchfeuchtungsgrad dauert die Trocknung mehrere Wochen bis mehrere Monate. Massives Mauerwerk trocknet langsamer als Leichtbauwände. Eine kontrollierte technische Trocknung mit Bautrocknern und Feuchtemessungen beschleunigt den Prozess.
Zahlt die Gebäudeversicherung bei Hochwasserschäden?
Nur wenn eine Elementarschadenversicherung als Zusatzbaustein abgeschlossen wurde. Die reguläre Gebäudeversicherung deckt Hochwasser, Starkregen und Rückstau in der Regel nicht ab. Prüfen Sie Ihren Versicherungsvertrag und ergänzen Sie den Elementarschutz, falls er fehlt.
Kann Hochwasser die Statik meines Gebäudes gefährden?
Ja. Stehendes Wasser kann Fundamente unterspülen, Mörtel auswaschen und die Tragfähigkeit des Baugrundes verringern. Besonders bei Gebäuden auf dem typischen Nürnberger Keupersandstein ist nach Hochwasser eine statische Überprüfung ratsam.
Sie möchten Ihr Gebäude für Nürnberg gegen Hochwasser schützen lassen? Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. Als DEKRA-zertifizierter Bausachverständiger bewerten wir die Gefährdungslage und empfehlen passende Schutzmaßnahmen.