Das Wichtigste in Kürze:
- Eine nachträgliche Horizontalsperre stoppt kapillar aufsteigende Feuchtigkeit im Mauerwerk dauerhaft
- Injektionsverfahren eignen sich für regelmäßiges Mauerwerk, Mauersägeverfahren für Mischmauerwerk und Naturstein
- Edelstahlplatten werden in die Lagerfuge getrieben und bilden eine mechanische Sperre
- Gründerzeit-Altbauten für Nürnberg haben in der Regel keine werkseitige Horizontalsperre
- Die Wahl des Verfahrens hängt von Mauerwerksart, Wandstärke und Gebäudenutzung ab
- Vor dem Einbau ist eine Feuchtemessung durch einen Sachverständigen sinnvoll, um Schadensursachen abzuklären
Eine Horizontalsperre nachträglich einzubauen ist eine der wirksamsten Maßnahmen gegen aufsteigende Feuchtigkeit in Altbauten. Viele Gebäude, die vor 1960 errichtet wurden, verfügen über keine funktionierende Horizontalabdichtung. Die Folge: Wasser steigt kapillar aus dem Erdreich ins Mauerwerk auf, durchfeuchtet Wände und Putz, begünstigt Schimmelbildung und schädigt langfristig die Bausubstanz. Gerade bei Altbauten für Nürnberg ist dieses Problem verbreitet, weil Gründerzeitgebäude und Nachkriegsbauten häufig ohne Horizontalsperre errichtet wurden.
Wie funktioniert das Injektionsverfahren?
Beim Injektionsverfahren werden Bohrkanäle ins Mauerwerk gesetzt und mit einer Injektionsflüssigkeit gefüllt, die eine wasserabweisende Schicht im Querschnitt der Wand bildet.
Das Verfahren gehört zu den häufigsten Methoden für nachträgliche Horizontalsperren. In der Praxis werden Bohrungen im Abstand von 10 bis 15 Zentimetern in die Lagerfuge oder den Mauerwerksstein gesetzt. Die Bohrtiefe beträgt in der Regel die Wandstärke abzüglich weniger Zentimeter. Anschließend wird ein Injektionsmittel eingebracht, meist auf Silan- oder Siloxan-Basis. Dieses Mittel verteilt sich im porösen Mauerwerk und bildet eine hydrophobe Zone, die kapillaren Wassertransport unterbindet.
Das Injektionsverfahren eignet sich besonders für regelmäßiges Ziegelmauerwerk mit durchgehenden Lagerfugen. Bei Mischmauerwerk oder sehr dicken Wänden über 60 Zentimeter kann die gleichmäßige Verteilung des Mittels problematisch sein. Auch stark durchfeuchtetes Mauerwerk nimmt das Injektionsmittel schlechter auf, weshalb in manchen Fällen eine Vortrocknung notwendig ist. Es gibt drucklose Verfahren, bei denen das Mittel über Schwerkraft in die Bohrkanäle fließt, und Druckinjektionsverfahren, bei denen es unter Druck ins Mauerwerk gepresst wird. Druckinjektionen erreichen eine gleichmäßigere Verteilung, sind aber aufwendiger.
Weitere Informationen zu Feuchteschäden finden Sie auf unserer Seite zur Beratung bei Feuchteschäden und Schimmelpilzschäden.
Wann ist das Mauersägeverfahren die richtige Wahl?
Das Mauersägeverfahren erzeugt eine mechanische Sperre, indem die Lagerfuge abschnittsweise aufgesägt und ein Sperrblech oder eine Sperrfolie eingelegt wird.
Mit einer Mauersäge wird die Lagerfuge über die gesamte Wandstärke durchtrennt. In den entstehenden Schlitz wird eine Edelstahlplatte, eine Bitumenbahn oder eine PE-Folie eingelegt. Anschließend wird der Schlitz verpresst. Das Verfahren wird abschnittsweise durchgeführt, üblicherweise in Abschnitten von einem Meter, um die Statik nicht zu gefährden.
Der große Vorteil des Mauersägeverfahrens liegt in der sofortigen und vollständigen Wirksamkeit. Im Gegensatz zum Injektionsverfahren hängt die Sperrwirkung nicht von der Saugfähigkeit des Mauerwerks ab. Deshalb eignet sich das Verfahren besonders für Natursteinmauerwerk, Mischmauerwerk und Mauerwerk mit unregelmäßigen Fugen. Gründerzeit-Altbauten, wie sie in den Nürnberger Stadtteilen St. Johannis, Maxfeld und Galgenhof stehen, bestehen häufig aus Sandsteinmauerwerk oder einer Kombination aus Sandstein und Ziegelsteinen. Für solche Wände ist das Mauersägeverfahren oft die zuverlässigere Lösung. Allerdings ist es aufwendiger, erzeugt Lärm und Staub und erfordert einen erfahrenen Fachbetrieb.
Was sind Edelstahl-Horizontalsperren und für welche Gebäude eignen sie sich?
Edelstahlplatten werden mit einem Druckluftgerät oder einem Spezialwerkzeug in die Lagerfuge getrieben und bilden eine dauerhafte mechanische Sperre gegen aufsteigende Feuchtigkeit.
Die gewellten oder profilierten Edelstahlbleche sind nur wenige Zehntel Millimeter dünn und werden überlappend in die Fuge eingetrieben. Das Verfahren ist vibrationsarm und beschädigt das Mauerwerk kaum. Es eignet sich besonders für Ziegelmauerwerk mit durchgehenden, gleichmäßigen Lagerfugen. Bei Natursteinmauerwerk ohne klare Lagerfugen ist diese Methode nicht anwendbar.
Der Vorteil gegenüber Injektionsverfahren: Die Sperre wirkt sofort und unabhängig vom Durchfeuchtungsgrad des Mauerwerks. Gegenüber dem Mauersägeverfahren ist der Eingriff in die Bausubstanz geringer. Die Edelstahlbleche sind korrosionsbeständig und haben eine praktisch unbegrenzte Lebensdauer. Das Verfahren setzt allerdings voraus, dass die Lagerfuge sauber und durchgehend vorhanden ist. Hohlräume oder Mörtelreste in der Fuge können das Eintreiben erschweren.
Haben Sie Fragen zur Feuchtigkeit in Ihrem Gebäude? Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Gespräch.
Welches Verfahren eignet sich für Gründerzeit-Altbauten?
Gründerzeit-Altbauten stellen besondere Anforderungen, weil sie oft dicke Wände aus Naturstein oder Mischmauerwerk haben und unter Denkmalschutz stehen können.
Typisch für Gründerzeitgebäude für Nürnberg sind Wandstärken von 50 bis 80 Zentimetern. Die Außenwände bestehen häufig aus Sandstein, die Innenwände aus Ziegelsteinen. Diese Mischkonstruktion macht Injektionsverfahren schwierig, weil Sandstein und Ziegel das Injektionsmittel unterschiedlich aufnehmen. Das Mauersägeverfahren ist hier oft die zuverlässigere Wahl, weil es unabhängig vom Material eine durchgehende Sperre erzeugt.
Bei denkmalgeschützten Gebäuden muss die zuständige Behörde dem Verfahren zustimmen. Invasive Methoden wie das Mauersägeverfahren erfordern häufig einen denkmalpflegerischen Nachweis. In solchen Fällen kann ein schonendes Injektionsverfahren die einzige genehmigungsfähige Option sein. Eine Bestandsaufnahme durch einen Sachverständigen für Bauschäden klärt vorab, welches Verfahren für die vorhandene Bausubstanz geeignet und genehmigungsfähig ist.
Besonders in den erhaltenen Gründerzeitquartieren Nürnbergs mit ihren Sandsteinfassaden und Holzbalkendecken ist eine fundierte Voruntersuchung wichtig. Der Keupersandstein, auf dem viele dieser Gebäude gegründet sind, ist porös und setzungsanfällig, was bei der Planung der Abdichtung berücksichtigt werden muss.
Welche Vorarbeiten sind vor dem Einbau notwendig?
Vor dem Einbau einer nachträglichen Horizontalsperre muss die Ursache der Feuchtigkeit zweifelsfrei geklärt sein. Nicht jede feuchte Wand wird durch aufsteigende Feuchtigkeit verursacht.
Mögliche andere Ursachen sind seitlich eindringendes Wasser, Kondensation, defekte Leitungen oder mangelnde Außenabdichtung. Eine Feuchtemessung an mehreren Stellen der Wand zeigt, ob das typische Muster aufsteigender Feuchtigkeit vorliegt: hohe Feuchte im unteren Wandbereich, die nach oben abnimmt. Ein Sachverständiger kann zusätzlich Proben entnehmen und auf hygroskopische Salze untersuchen lassen. Diese Salze, die aus dem Erdreich ins Mauerwerk transportiert werden, sind ein deutlicher Hinweis auf kapillare Feuchtigkeit.
Erst wenn die Diagnose feststeht, sollte das passende Verfahren gewählt werden. Ein falsch gewähltes Verfahren kann wirkungslos bleiben oder sogar zusätzliche Schäden verursachen. Nach dem Einbau der Horizontalsperre muss das durchfeuchtete Mauerwerk austrocknen, bevor ein neuer Putz aufgebracht wird. Diese Trocknungsphase kann je nach Wandstärke und Durchfeuchtungsgrad mehrere Monate dauern.
Wie läuft eine nachträgliche Horizontalsperre in der Praxis ab?
Der typische Ablauf umfasst Bestandsaufnahme, Verfahrenswahl, Ausführung, Trocknungsphase und abschließende Putzarbeiten.
Im ersten Schritt wird der Ist-Zustand dokumentiert: Feuchteverteilung, Mauerwerksart, Wandstärke und vorhandene Schäden. Darauf aufbauend wird das geeignete Verfahren festgelegt. Während der Ausführung wird der betroffene Wandabschnitt freigelegt, sofern notwendig. Bei Injektionsverfahren werden die Bohrungen gesetzt und das Mittel eingebracht. Beim Mauersägeverfahren wird abschnittsweise gesägt und die Sperrschicht eingelegt. Bei Edelstahlplatten werden die Bleche in die Lagerfuge getrieben.
Nach dem Einbau beginnt die Trocknungsphase. Der alte, salzbelastete Putz muss in der Regel entfernt werden, weil die eingelagerten Salze hygroskopisch wirken und weiterhin Feuchtigkeit anziehen würden. Erst nach ausreichender Trocknung wird ein Sanierputz aufgebracht, der für feuchte- und salzbelastetes Mauerwerk ausgelegt ist. Dieser Putz ist diffusionsoffen und kann Restsalze einlagern, ohne zu zerfallen. Auf unserer Seite zur Sanierungsberatung finden Sie weitere Informationen zu Sanierungsmaßnahmen an Altbauten.
Verwandte Themen
- Aufsteigende Feuchtigkeit: Ursachen und Abdichtung
- Feuchte Wände im Altbau: Ursachen und Sanierung
- Kellersanierung bei Feuchtigkeit: Verfahren im Vergleich
- Kellersanierung von außen: Aufwand und Nutzen
Häufige Fragen
Wie lange hält eine nachträgliche Horizontalsperre?
Mechanische Verfahren wie Mauersäge und Edelstahlplatten halten bei fachgerechter Ausführung dauerhaft. Injektionsverfahren haben eine erwartete Lebensdauer von 20 bis 30 Jahren, abhängig vom verwendeten Material und der Mauerwerksqualität.
Kann ich eine Horizontalsperre selbst einbauen?
Davon ist dringend abzuraten. Die Verfahren erfordern Spezialgeräte, Fachkenntnis über Mauerwerkstypen und die korrekte Dosierung der Injektionsmittel. Fehler führen dazu, dass die Sperre nicht wirkt und das Problem bestehen bleibt.
Muss der Putz nach dem Einbau erneuert werden?
Ja, in der Regel muss der alte Putz im betroffenen Bereich entfernt werden. Salzbelasteter Putz würde weiterhin Feuchtigkeit aus der Luft anziehen. Ein spezieller Sanierputz wird nach der Trocknungsphase aufgebracht.
Wie lange dauert die Trocknungsphase nach dem Einbau?
Die Trocknung dauert je nach Wandstärke und Durchfeuchtungsgrad zwischen 6 und 18 Monaten. Eine technische Bautrocknung kann diesen Zeitraum verkürzen. Die Restfeuchte sollte vor dem Neuverputz gemessen werden.
Ist eine Horizontalsperre bei Kellerwänden sinnvoll?
Eine Horizontalsperre schützt gegen aufsteigende Feuchtigkeit von unten. Kellerwände sind jedoch häufig auch seitlich durch Erdreich belastet. Hier ist in der Regel eine Kombination aus Horizontalsperre und vertikaler Abdichtung notwendig.
Welche Verfahren sind für denkmalgeschützte Gebäude geeignet?
Injektionsverfahren gelten als vergleichsweise substanzschonend und werden von Denkmalschutzbehörden häufiger genehmigt. Das Mauersägeverfahren erfordert eine Abstimmung mit der Behörde, ist aber technisch oft die wirksamere Lösung.
Funktionieren elektrophysikalische Verfahren gegen aufsteigende Feuchtigkeit?
Elektrophysikalische Verfahren (Elektroosmose) sind wissenschaftlich umstritten. Die WTA (Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung) empfiehlt diese Verfahren nicht als alleinige Maßnahme. Mechanische und chemische Verfahren gelten als zuverlässiger.
Woran erkenne ich, dass eine Horizontalsperre notwendig ist?
Typische Anzeichen sind Feuchteflecken im Sockelbereich, Salzausblühungen an Innenwänden, abplatzender Putz im Erdgeschoss und muffiger Geruch. Eine Feuchtemessung durch einen Sachverständigen gibt Klarheit über Ursache und Ausmaß.
Sie vermuten aufsteigende Feuchtigkeit in Ihrem Gebäude für Nürnberg? Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. Als DEKRA-zertifizierter Bausachverständiger klären wir die Ursache und empfehlen das geeignete Verfahren für Ihre Situation.